Von Hund zerfetzt

Nach Beiß-Massaker: Hühnern trauern um toten Gockel

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Michael Linzing und seine Hühner trauern um Gockel Franzi (kleines Bild), der im Garten begraben liegt.

Roßdorf – Weil ein Frauchen ihren Terrier nicht unter Kontrolle hatte, wurde Gockel Franzi zerfleischt. Aber nicht nur Besitzer Michael Linzing trauert. Die übrigen Hühner wollen seitdem keine Eier mehr legen. Von Christian Reinartz 

Wenn Michael Linzing von Gockel Franzi spricht, wird ihm die Stimme schwer. Als der aus Siebenbürgen stammende Roßdorfer aus dem Urlaub zurückkommt, traut er seinen Augen nicht: Im Hühnergehege seines Kleingartens liegt Franzi zerfetzt auf dem Boden. Daneben zwei Hennen, ebenfalls grausam zugerichtet. „Überall war Blut“, erinnert sich Linzing. Schnell klärt sich auf, was mit seinen Tieren passiert ist. „Ein Jack-Russell-Terrier hat sich unter dem Zaun durchgewühlt und meinen Franzi getötet“, sagt Linzing. „Er war so ein stolzer Gockel mit breiter Brust und buntem Gefieder.“

Auch Linzings übrige 18 Hühner trauern um ihren Hahn. Früher hätten sie jeden Tag an die 20 Eier gelegt. „Seit Franzi tot ist, sind es nur noch fünf.“ Sauer ist der ehemalige Gockel-Besitzer weniger auf den Terrier als auf das Frauchen. „Sie hat mir 50 Euro angeboten“, sagt Linzing verächtlich. „Aber Franzi war mir ans Herz gewachsen. Da kann man mir doch nicht einfach einen Fünfziger hinknallen und denken, dass dann alles wieder gut ist.“ Stattdessen will er, dass endlich alle Hundebesitzer ihre Tiere an die Leine nehmen. „Zumindest, wenn sie nicht garantieren können, ihr Tier jederzeit im Griff zu haben.“

Hund und Herrchen werden geprüft

Auch, wenn Linzing das Terrier-Frauchen nicht angezeigt hat, Ärger könnte ihr trotzdem ins Haus stehen. „Wenn ein Unfall ausgeschlossen werden kann, wird in der Regel ein Wesenstest angeordnet“, erklärt der Offenbacher Ordnungsamtschef Peter Weigand die übliche landesweite Vorgehensweise, da hier die hessische Hundeverordnung greife. Eine Anzeige des Geschädigten dazu brauche es nicht.

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Dass bei einem solchen Wesenstest nicht nur Hund, sondern auch Herrchen unter die Lupe genommen werden, weiß Hundesachverständiger Gerald Groos aus Frankfurt. Er führt die Tests durch und sagt: „Die Tiere sind fast nie das Problem. Es sind in 99 Prozent der Fälle die Herrchen, die sich nicht so verhalten, wie es das jeweilige Wesen der Rasse erfordert.“ Im geschilderten Fall hätte das Frauchen den Hund schon stoppen müssen, als der sich unter dem Zaun durchgewühlt habe. In einem solchen Fall müsste der Besitzer einen erfolgreichen Sachkundenachweis erbringen. Groos: „Ansonsten darf der Hund nicht länger gehalten werden.“

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