Beiß-Attacken auf Rehe: Taunus-Jäger fordern Anleinpflicht für Hunde

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Jagdpächter Robert Schneider und seine Frau Heidi aus Bad Soden vor einem Schild, das an Hundebesitzer appeliert, ihre Tiere anzuleinen.

Taunus – Es ist ein Bild des Grauens, das Robert Schneider vor sich auf den Tisch legt. Eine totes Reh ist darauf zu sehen. Das Tier wurde von einem freilaufenden Hund zu Tode gehetzt. Der Bad Sodener Jagdpächter fordert eine  Anleinpflicht für Hunde. Von Norman Körtge

Dieses Reh erlöste Karl-Heinz Gotta von seinen Qualen, nachdem ein Hund es angefallen hatte.

Der letzte Vorfall liegt erst wenige Tage zurück. Spaziergänger fanden in der Gemarkung Bad Soden das leidvoll verendete Tier, das von einem frei laufenden Hund gerissen wurde. „Am besten, die Hunde bleiben im Feld und im Wald an der Leine“, empfiehlt Bürgermeister Norbert Altenkamp in einer Presseinformation. So könnten weitere Tiertragödien vermieden werden.

Dass Appelle allerdings nicht reichen, hat der Bad Sodener Jagdpächter Robert Schneider, der sein Revier in Neuenhain hat, immer wieder feststellen müssen. Angesprochene Hundebesitzer, die ihr Tiere auch während der Brut- und Setzzeit auf Feldern und im Wald frei laufen lassen würden, argumentieren immer wieder mit der artgerechten Haltung von Hunden, und dass sie den Auslauf benötigen. „Was ist mit dem Schutz der Tiere im Wald?“, fragt dann Schneider zurück und bekommt keine Antwort. Vor Augen hat der Jagdpächter dann Rehe, die sich auf der Flucht beim Sprung über Jägerzäune die Bäuche aufgerissen haben oder von einem Auto erfasst worden sind, schwer verletzt im Wald liegen und er den Fangschuss setzen muss. Von sieben bis acht Rehen im Jahr spricht Schneider alleine in seinem Jagdrevier. Die Dunkelziffer ist hoch. Wie viele Rehe tatsächlich im Wald qualvoll verenden, dürfte hoch sein. „Fakt ist, dass jedes Tier, was bei Tag auf eine Straße rennt, von irgendetwas aufgescheucht sein worden muss“, sagt Schneider.

Die Lokalpolitik sträubt sich gegen eine Anleinpflicht

Dass sich Schneider und seine Kollegen mit ihrer Forderung nach einer Anleinpflicht vor allem in der Brut- und Setzzeit keine Freunde machen, wissen sie nicht nur von den heruntergerissen Schildern, die sie aufgehängt haben, um zumindest an die Hundhalter zu appellieren. Auch die Lokalpolitik sträubt sich. Dabei hatte er und seine Kollegen bereits ein fertiges Konzept erarbeitet, das sogar Gebiete vorsah, in denen Hunde frei laufen dürfen. „Die Hundelobby ist zu groß. Das sind Wählerstimmen“, vermutet Schneider hinter dem mangelnden politischen Willen zur Durchsetzung der Anleinpflicht.

Den haben andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet bereits bewiesen. Etwa die Städte Heusenstamm, Rödermark und Rodgau im Kreis Offenbach. Dort gilt zumindest während der Brut- und Setzzeit Anleinpflicht. „Es ist ruhiger im Revier geworden“, bestätigt Karl-Heinz Gotta, Jagdpächter in Rödermark. Allerdings gebe es trotz der Bußgeldandrohung unbelehrbare Hundebesitzer. Vergangene Woche musste Gotta ein von einem Hund angefallenes und schwer verletztes Reh von seinen Qualen mit einem Fangschuss erlösen.

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