Behörden-Unsinn aus Brüssel: EU will uns den "Apfelwein" verbieten

Der Sturm der Entrüstung seitens der Keltereien ließ nicht lange auf sich warten. Ebensowenig das Gelächter. "Heute ist doch nicht der erste April", sagte Alexander Lühn von der gleichnamigen Kelterei in Offenbach. "Und weinen darf ich jetzt auch nicht mehr, oder was", fügte er lachend hinzu.

Der Äppler ist ihm jedoch so ans Herz gewachsen, dass er für das Nicht-Eintreten der Weinmarktordnung seine Hand ins Feuer legen würde.

Jörg Stier, Inhaber einer Kelterei in Maintal, sieht es gelassener und in dem Vorhaben nur "die logische Konsequenz im Kampf der Traubenweinhersteller gegen den Apfelwein". Und er kann seine Behauptung auch begründen.Bereits 1972 wurde vor dem Verwaltungsgericht Berlin festgelegt, dass der Begriff "Sekt" nur noch für Weinschaumweine verwendet werden darf. "Aber die Sektsteuer greift nach wie vor auch auf Apfelschaumwein", sagt Stör. Das Ganze also eine Weinseelige Kleingeistigkeit?

Im Gegenteil. "Einen spanischen Sidra kann man nicht mit einem englischen Cider vergleichen, einen französischen Cidre nicht mit einem deutschen Apfelwein." Von Grund auf unterschiedliche Getränke seien das, "die die Faszination Europas am Leben erhalten. "Wenn man Cidre und Apfelwein probiert, erkennt jeder den Unterschied. Um Bordeaux und Chianti auseinander zu halten, muss man schon viel Ahnung haben." Stör wirft daher den Traubenwein-Herstellern die Überheblichkeit vor zu glauben, "dass sie den einzig richtigen Wein machen."Dem Mann macht keiner so schnell einen Cidre für einen Äppler vor. Stör hat in seinem Buch "Apfelwein in Geschichten und Anekdoten" eine ganze Menge Wissen über das hessische Traditionsgesöff niedergeschrieben.

Eine Apfelwein-Geschichte der gezeichneten art hat die Cartoonistin Uschi Heusel aus Dietzenbach bereits im Sommer veröffentlicht. "Die spinnen im Römer" heißt der dritte Band ihrer Ratte-Ludwig-Comicreihe, in dem Ludwig die Äpplerbestände der Region vor den begehrlichen Mäulern der Frankfurter retten muss. Vielleicht ist Ludwig nun der einzige, der dem Brüsseler Behörden-Mumpitz Einhalt gebieten kann. Ludwig, so teilt es Heusel mit "denkt darüber nach, den Äppler zum wiederholten Male zu retten. Er schmiedet schon einen Plan und sucht noch nach Verbündeten, die sein Vorhaben unterstützen."Für die Zeichnerin ist das ganze natürlich ein gefundenes Fressen. "Es ist der Stoff, der wie geschaffen ist für Stöffcheabenteuer." Die Gedanken sprudeln wie ein Sauer-Gespritzter.

Kommentare