Behörde will Bäume abholzen, weil sie ausländisch sind

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Gerd Braun ist sauer: „Das ist kein Naturschutz, das ist Naturzerstörung!“

Rödermark – Kurioser geht‘s kaum: 16 Jahre lang haben die 60 Thuja-Bäume von Gerd Braun niemanden gestört. Jetzt will der Kreis Offenbach den Urberacher Pferdestallbesitzer dazu zwingen, die sechs Meter hohen Exoten-Bäume abzuholzen. Weil sie nicht hierher gehören. Von Christian Reinartz

Gerd Braun versteht die Welt nicht mehr: „Das ist kein Naturschutz, das ist Naturzerstörung!“ Doch der Kreis Offenbach hat offenbar seine eigene Logik und beruft sich dabei auf eine so genannte Eingriffsregelung des Bundesnaturschutzgesetzes.

Die Forderung: Braun soll die Thuja-Bäume entfernen, weil sie nicht standortgerecht seien. Heißt im Klartext: Weil sie eigentlich aus Asien oder Nordamerika kommen, gehören sie nicht in den heimischen Wald. Da Gerd Brauns Grundstück im so genannten Außenbereich, am Waldrand von Urberach liegt, darf die Behörde in der Tat bestimmen, was dort gepflanzt werden darf und was nicht.

Warum der Kreis erst nach 16 Jahren die Abholzung fordert, begründet Kreissprecherin Kordula Egenolf damit, dass eine nachträgliche Baugenehmigung für das Grundstück erteilt worden sei und die Abholzung eine der Auflagen sei.

Nicht gefährlich für den heimischen Wald

Doch obwohl die Bäume schon 16 Jahre dort gedeihen, stellen die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde bei Gerd Brauns Einwänden offensichtlich auf stur. Stattdessen höre der Pferdebesitzer, nach eigenen Aussagen, immer nur dasselbe stumpfe Argument: „Die Bäume gehören da eigentlich nicht hin.“

Dabei sind Thujas keinesfalls gefährlich oder schädlich für den heimischen Wald. Das versichert Kurt Schäfer, Leiter des Forstamtes Langen: „Lediglich optisch passen sie nicht so gut in unsere Landschaft.“

„Das ist doch verkehrte Welt“, sagt Braun fassungslos: „Ich soll jetzt 60 gesunde Bäume abholzen?“ Dabei hätten sie ihm bei einem Ortstermin sogar erklärt, er könne innerhalb der Stadtgrenzen so viele Thujas pflanzen wie er wolle. Braun: „Das ist gerade mal vierhundert Meter von meinem Stall entfernt.“

Es kommt aber noch härter: Nach der Abholzung soll er ein anderes „standortgerechtes Heckengehölz“ pflanzen. „Das ist aber teuer“, schimpft Braun, der gerade so mit seinem Pferdestall über die Runden kommt: „Da werden ein paar tausend Euro fällig. Und alles nur, weil meine Thujas nach 16 Jahren irgendjemandem in der Amtsstube nicht mehr gefallen.“

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