Beet-Pate gibt auf: Stadt lässt Unkraut wuchern

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Norbert Krumeich ist sauer auf die Stadt Rodgau: „Erst vergraulen sie mich, jetzt lassen sie das Beet verkommen.“ Foto: rz

Rodgau – Wer sich in Rodgau ehrenamtlich engagiert, bekommt statt einem Lob Steine in den Weg gelegt. Bis man entnervt aufgibt. Das sagt der Weißkirchener Norbert Krumeich. Er pflegte ein städtisches Beet, hatte deshalb immer wieder Ärger mit dem Ordnungsamt. Wegen Lapalien. Von Christian Reinartz

Irgendwann reicht es ihm. Er schmeißt hin. Das Unkraut wuchert unterdessen kniehoch. Weil die Stadt offenbar lieber das Beet zuwuchern lässt, als von ihren Prinzipien abzurücken.

„Die haben sie doch nicht mehr alle!“ Norbert Krumeich ist stinkesauer auf die Stadt Rodgau. Denn von seiner einstmals gehegten und gepflegten Blumeninsel ist nichts mehr übrig. Stattdessen wuchert das Unkraut kniehoch auf dem kleinen Flecken Erde im Rodgauer Stadtteil Weißkirchen. Von der Stadt kümmert sich keiner um das Beet, seit Norbert Krumeich vor vier Monaten hingeschmissen hat. Lange Zeit hatte er die Patenschaft für das Fleckchen Erde übernommen, hatte liebevoll Blumen und Bodendecker gepflanzt. „Damit sich die Nachbarschaft und die Schulkinder auf dem Weg zur Schule freuen“, sagt Krumeich. Das gelingt ihm auch, bis das Ordnungsamt ihm schriftlich ein Bußgeld auferlegen will, weil er in seinem Beet ein Schild angebracht hat, auf das er stolz geschrieben hat, wer dieses Beet pflegt. Erst als der EXTRA TIPP nachhakt (nachzulesen auf www.extratipp.com), zeigt sich die zuständige Fachbereichsleiterin Elfi Ziebold kompromissbereit. Krumeich darf sein Schild behalten, wenn er es etwas tiefer hängt.

Doch der Briefterror vom Amt geht weiter. Diesmal im Visier der Paragraphen-Wächter: Rot-weiße Begrenzungsstäbe, die Krumeich am Rand des Beetes angebracht hat. Krumeich: „Die Autofahrer fahren mir sonst einfach durch die Blumen. Ich musste deswegen ständig neue Pflanzen kaufen.“ Wieder zeigt sich das Ordnungsamt unnachgiebig, hat kein Verständnis für Krumeichs Problem. „Da hab ich gesagt, dass sie ihr Beet selbst in Ordnung halten können.“ Er gibt sich geschlagen, schmeißt hin.

Doch statt sich um das Beet zu kümmern, lässt die Stadt Rodgau es einfach verdrecken und zuwuchern. Seit Monaten hat sich offensichtlich kein Stadtgärtner um das Eckchen gekümmert, das früher immer akkurat bepflanzt war.

Bei der Stadt Rodgau versucht man, sich herauszureden. „Wir haben nicht gewusst dass Herr Krumeich sich nicht mehr kümmern will. Wir werden das jetzt in unseren Pflegeplan mit aufnehmen.“ Kein Wort des Bedauerns an den Rentner aus dem Ordnungsamt. Die Chefin selbst will sich offenbar nicht äußern, schickt eine Mitarbeiterin vor. Krumeich: „Denen geht es doch schon lange nicht mehr um die Menschen in der Stadt, sondern nur darum, Recht zu haben.“

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