Baustellen-Tortur in Eppstein: Die Anwohner sind sauer

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Baustelle: Die Hauptstraße in Vockenhausen.

Eppstein – Eine Straße wie zu DDR-Zeiten: Für Mario Hermann trifft diese Bezeichnung auf die Hauptstraße in Vockenhausen zu. Seit mehr als einem halben Jahr ist die Hauptverkehrsader Baustelle. Anwohner und Geschäftsleute sind sauer. Von Julia Renner

„Die Gegend ist wunderschön, aber die Infrastruktur ist eine Katastrophe“, sagt der 40-Jährige. Er selbst wohnt in Ehlhalten, ist sonst zum Einkaufen nach Vockenhausen gefahren. „Das spare ich mir jetzt“, sagt er. „Es tut mir leid für die Geschäftsleute, aber ich gehe woanders einkaufen.“

Für ihn ist die Hauptstraße eine „Zumutung“, die mehr Feldweg als Straße ist. Dass die Bürokratie aber noch immer funktioniert, bemerkt er ebenfalls: „Auf etwa 150 Metern standen vor einigen Wochen noch 18 Verkehrsschilder. Da fehlen mir die Worte.“ Mario Hermann hat den „Eindruck, dass die Leute alles hinnehmen und dulden“.

Und in der Tat: Ein Anwohner der Hauptstraße habe resigniert, sagt er. „Die Anlieger sind zutiefst erschüttert, weil alles so langsam voran geht“, sagt der Mann. Außerdem gebe es jede Menge Dreck und Staub an den Häusern der Anlieger, jeder fahre durch die Straße, obwohl sie derzeit nur für Anlieger freigegeben sei und die meisten seien auch noch zu schnell.

Dass das Land Hessen mittlerweile die Zusage zurückgezogen habe, 221.000 Euro zur Finanzierung beizutragen, macht die Lage nicht besser. „Die Stimmung ist im Keller“, fasst der Anwohner zusammen. Für ihn ist das eine riesige Geldverschwendung, die hätte vermieden werden können. „Aber die Politiker hören ja nicht auf die Bürger“, beschwert er sich. „Man fühlt sich nicht ernst genommen.“

Die Geschäftsleute an der Hauptstraße sind ähnlich unzufrieden mit der Dauer-Baustelle (nachzulesen unter

//www.extratipp.com). „Alle Geschäfte verzeichnen einen Kundenrückgang“, sagt Regina Martin vom Vorstand des Gewerbevereins Industrie, Handwerk, Handel. Vor allem, wer auf Laufkundschaft angewiesen sei, habe es schwer.

Bei der Stadt Eppstein sind indes nur wenige Beschwerden wegen der Baustelle eingegangen, sagt der Erste Stadtrat Alexander Simon. Dennoch hat die Stadt versucht, die Situation zu entschärfen. So wurden beide Fahrbahnen verkleinert, damit die Autos nicht über Staub und Dreck rollen. Im Sommer sei außerdem mit Wasser gegen den Dreck vorgegangen worden. Allerdings: „Es ist nun mal eine Großbaustelle.“ Anfang 2012 ist der erste Bauabschnitt fertig.

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