Keine Informationen über Baustelle

Baumverkäufer verliert Stammplatz nach 50 Jahren

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Wilhelm Knauf fühlt sich wie ein Spielball der Verwaltung: Nach 50 Jahren am Affentorplatz muss er seine Weihnachtsbäume gezwungenermaßen an der Dreieicher Straße, an der Straßenbahnhaltestelle Lokalbahnhof, verkaufen.

Frankfurt - Seit über 50 Jahren verkauft die Familie Knauf Weihnachtsbäume  am Frankfurter Affentorplatz. Doch dieses Jahr nicht, weil der neu gestaltet wird. Doch das erfährt Wilhelm Knauf nicht von der Stadt, sondern von einer Stammkundin. Für Knauf beginnt ein Spießrutenlauf. Von Dirk Beutel

Von wegen besinnliche Vorweihnachszeit! Wilhelm Knauf  ist wohl der traurigste Weihnachtsbaumverkäufer  im Rhein-Main-Gebiet. Seit über 50 Jahren verkauft seine Familie am Frankfurter Affentorplatz Bäume zum Weihnachtsfest. Dieses Mal aber nicht, weil auf seinem Traditionsplatz gebaut wird. Brisant: Die Stadt Frankfurt hat Knauf über die Baustelle  gar nicht informiert, obwohl sie wusste, dass er wie jedes Jahr dort seinen Stand aufbauen möchte.

Es gibt keinen Plan B

Erst Anfang November meldet eine seiner treuen Stammkunden und schildert dem 59-Jährigen das Szenario: „Ich hab´ gedacht, ich falle aus allen Wolken. Dabei hatte ich meinen Antrag im August eingereicht und meine Bäume waren längst geschlagen.“ Er fühlt sich alleingelassen, bekommt Existenzangst. Für Knauf wird der November zum Spießrutenlauf: „Niemand hat sich zuständig gefühlt“, sagt er: „Ich habe mich voll darauf verlassen, dass ich wie immer meinen Traditionsplatz bekomme. Es gibt deshalb auch keinen Plan B.“

Fast schon geschäftsschädigend

Bis fast Ende November sitzt Knauf wie auf heißen Kohlen und wartet auf eine Entscheidung der Stadt Frankfurt. Die ringt sich durch und gibt ihm ein Plätzchen an der Dreieicher Straße. Knauf enttäuscht: „Das ist fast schon geschäftsschädigend. Fast kaum einer meiner Stammkunden  weiß Bescheid, dass ich jetzt hier seit dem 1. Dezember stehe“. Nicht nur dass er wegen dem Behördenärger drei Extra-Urlaubstage nehmen musste, er hat auch mehr Unkosten  wegen eines zusätzlichen Stromaggregats und weiterer Abstellzäune. Knauf: „Aber wenigstens habe ich überhaupt einen Platz bekommen.“

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