Banker grapschen öfter

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Laut einer Schweizer Studie werden Frauen besonders häufig im Bankengewerbe sexuell belästigt.

Frankfurt – Jede vierte Frau wird Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Besonders häufig könnten Frankfurter Frauen betroffen sein, denn laut einer Schweizer Studie finden solche Übergriffe überdurchschnittlich oft im Bankgewerbe statt. Von Christian Reinartz

Gudrun Wörsdörfer

Wann die sexuelle Belästigung begonnen hat, können betroffene Frauen meist gar nicht genau sagen. Am Anfang stehen oft zufällige Berührungen der Brustoder des Hinterns. Aber auch anzügliche Bemerkungen können erste Anzeichen sein. Viele Frauen nehmen diese zwar zunächst nicht ernst oder suchen dafür eine vermeintlich logische Erklärung. Gudrun Wörsdörfer, Geschäftsführerin des Frankfurter Frauennotrufs, kennt aber die perfide Taktik der Belästiger: „Dabei bleibt es meistens nicht.“ Die Berührungen, Bemerkungen oder Blicke würden immer zudringlicher. „Wann eine Frau merkt, dass da etwas nicht stimmt, ist ganz individuell“, sagt Wörsdörfer. Manche würden erst wachgerüttelt, wenn sie in einer abgeschiedenen Situation, etwa im Aufzug, angetatscht werden. Auch Kussversuche oder der Griff ins Dekolletee sind typisch.

Doch auch die weniger bedrohlichen Situationen wie anzügliche Bemerkungen haben Folgen für die Psyche der Frauen. „Vergleichsweise harmlose Situationen stellen für die Frau immer ein sehr bedrohliches Erlebnis dar.“ Auch, wenn nur die wenigsten Fälle von sexueller Belästigung in einer Vergewaltigung enden, „die Angst der Frau davor ist immer dieselbe.“

Und doch schrecken die meisten Betroffenen offenbar vor einer Anzeige zurück. Nur etwa fünf Belästigungs-Fälle pro Jahr landen laut Polizeisprecher Manfred Füllhardt im Polizeipräsidium.

Gudrun Wörsdörfer weiß warum: „Die Frauen wollen das so lange wie möglich unter Verschluss halten, aus Angst, nicht ernst genommen zu werden und um ihrer Karriere nicht zu schaden.“ Opfer hätten ihr immer wieder berichtet, dass eine solche Belästigung die Frauen in der harten Geschäftswelt der Banken schwach erscheinen ließe – ein Karrierekiller sozusagen. „Deswegen versuchen viele, das auszuhalten und rutschen damit immer tiefer rein.“

Sie fordert deshalb von den Frankfurter Banken die Einführung einer Betriebsvereinbarung, die sexuelle Belästigung explizit untersagt. „Dann muss eine Frau nur noch zum Chef gehen, ihm mitteilen, was passiert ist, und schon kann der direkte Konsequenzen ziehen.“

Tipps, wie sich Frauen bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz verhalten sollten:

- Nehmen Sie das Geschehen ernst.

- Dokumentieren Sie alle Vorfälle.

- Bewahren Sie mögliche Beweismittel auf, notieren      Sie mögliche Zeugen.

- Suchen Sie Unterstützung bei einer Fachberatungs     stelle, Rechtsanwälten, der betrieblichen Frauen     beauftragten, dem Betriebsrat oder dem Personalrat.

- Informieren Sie sich über Ihre Rechte.

- Gehen Sie professionell vor.

- Planen Sie Ihre nächsten Schritte.

- Meiden Sie gefährlicheSituationen.

    Weitere Infos und Hilfe gibt‘s unter S (069) 70 94 94

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