Mangelware Azubi-Nachwuchs

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Nicht nur heiße Luft: Bei Hotels und Gaststätten macht sich der oft angekündigte Fachkräftemangel bemerkbar. Der Branche fehlt es an allen Ecken an qualifizierten Nachwuchskräften.

Region Rhein-Main – Er wurde mehrfach von Arbeitsmarkt-Experten vorausgesagt. Jetzt scheint er uns tatsächlich eingeholt zu haben: Der Fachkräftemangel. Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe wird händeringend nach Azubis gesucht.  Von Dirk Beutel

Die Zahlen lassen aufhorchen: Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe von 6200 auf 5000 gesunken. Fast zehn Prozent der Azubi-Stellen sind unbesetzt. Und das, obwohl Hessens stellvertretender Ministerpräsident und Justizminister Jörg-Uwe Hahn Gastronomie und Hotellerie als Rückgrat eines steigenden Tourismus in Hessen bezeichnete.

Doch hinter den Kulissen scheint es anders auszusehen: „Im Hotel- und Gaststättengewerbe geht Tagesgeschäft sehr häufig generell vor Ausbildung“, heißt es im aktuellen Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes, an dem sich über 9300 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten Ausbildungsberufen (nach Bundesinstitut für Berufsbildung) beteiligt haben. Mit anderen Worten: Der Azubi muss auch mal Sachen machen, die nichts mit seiner Ausbildung zu tun haben oder mal länger als üblich zur Verfügung stehen.

Gerald Kink

Das Tagesgeschäft ist immer spontan und unberechenbar. Da ist natürlich Einsatz von unseren Auszubildenden gefragt“, sagt Gerald Kink, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa) in Hessen. Doch gerade die Arbeitszeiten schrecken viele Jugendliche ab. Das weiß auch Marek Kvasnicak, Direktor des Macrander Hotel am Offenbacher Kaiserlei: „Unsere Auszubildenden arbeiten, während ihre Freunde feiern gehen oder ihre Familie gerade an Weihnachten oder Ostern zusammensitzt.“

Ein vernichtendes Bild zeichnet der Ausbildungsreport: Bei fast allen Bewertungen rangieren Hotel- und Restaurantfachmänner auf den letzten Rängen. Köche im Mittelfeld. Die Untersuchung nennt die Gründe: Regelmäßige Überstunden, oft ohne Ausgleich, betreffe mehr als die Hälfte aller Azubis in der Branche. Dazu kommen die Arbeitstage: „11,6 Prozent der befragten Auszubildenden arbeiten an mehr als fünf Tagen pro Woche im Betrieb, und für einige fällt selbst der Sonntag als Ruhetag aus“, heißt es aus der Studie. „Sicher gibt es Betriebe die es mit den Zeiten nicht so genau nehmen“, gibt Gerald Kink zu: „Doch unser Verband spricht dieses Problem intern an. Wir müssen den Finger in die Wunde legen.

Ein weiteres Problem sind die Bewerber selbst. Viele kämen mit falschen Vorstellungen in den Job, ohne Herzblut und Bereitschaft. Auch deshalb will sich die Branche besser verkaufen. Mehr Präsenz auf Ausbildungsmessen und in Schulen sowie mehr Praktikumsplätze sollen die positiven Seiten des Hotel- und Gaststättengewerbes unterstreichen. Für Marek Kvasnicak liegen die Vorteile auf der Hand: „Nach der Lehre kann man auf der ganzen Welt arbeiten und es gibt sehr gute Aufstiegschancen, auch ohne akademischen Abschluss.“

Azubis im Büro gesucht

Wer einen Ausbildungsplatz zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Bürokommunikation sucht, der hat in Frankfurt sowie dem Main-Taunus- und Hochtaunuskreis fast die Qual der Wahl. 46 Unternehmen suchen im IHK-Bezirk Frankfurt derzeit dafür Schulabgänger. Damit führt dieser Ausbildungsberuf das Ranking an. Es folgen Bürokaufmann (40 Unternehmen) und Fachinformatiker (32).

Überhaupt ist die Lage – zumindest aus Sicht der Azubis – derzeit noch entspannt, wie Brigitte Scheuerle, IHK-Geschäftsführerin für den Bereich Aus- und Weiterbildung, berichtet. So hatte die Arbeitsagentur Frankfurt zuletzt 3023 offene Stellen gemeldet bei 2925 suchenden Schülern. Diese Relation sei zum jetzigen Zeitpunkt noch normal, sagt Scheuerle.

Auf die immer wieder bemängelte schlechten Noten der Schüler hätten viele Unternehmer bei den Einstellungsgesprächen reagiert. So würden die Personalverantwortlichen oft weniger auf die Noten achten und dafür mehr auf die Persönlichkeit. Schließlich durchlaufen die jungen Menschen in der Ausbildung auch einen Reifeprozess Vom 21. bis 23. Juni findet in in Frankfurt rund um die Hauptwache die Berufsbildungsmesse Rhein-Main mit über 100 Ständen statt. Die Lehrstellenbörse ist im Internet zu finden: www.ihk-lehrstellenboerse.de.

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