Leser wollen helfen

ADHS-Drama: Riesen-Echo der Hilfsbereitschaft

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So berichtete der EXTRA TIPP am 30. Juni.

Region Rhein-Main – Vergangene Woche berichtete der EXTRA TIPP in seiner Offenbach-Ausgabe über Silke Bergmann und ihren an ADHS leidenden Sohn. Das Problem: Kein Arzt wollte sich dem zwölfjährigen Jungen annehmen und ihm ein für ihn empfohlenes Medikament verschreiben. Von Dirk Beutel

Nachdem der Artikel erschienen war, brach unter den EXTRA-TIPP-Lesern eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

Ein Artikel und sein Echo der Hilfsbereitschaft. Die EXTRA-TIPP-Geschichte „Ich habe geheult vor Wut“ vom vergangenen Wochenende über Silke Bergmann und ihren zwölfjährigen Sohn, der an ADHS leidet, ihm aber kein Arzt das für ihn empfohlene Medikament verschreiben wollte hat viele Menschen zum Helfen inspiriert. Zahlreiche Mediziner hat die 38-Jährige aufgesucht – ohne Erfolg. Stattdessen muss die Mutter sich jedesmal für ein neues Präparat eine Überweisung besorgen und dann wieder zur Klinik nach Frankfurt-Höchst fahren. Nicht nur ein irrer Aufwand für die selbstständig tätige Rodgauerin, sie fühlt sich schlichtweg alleingelassen. „Denn das Medikament hilft meinem Kind und unserer Familie. Aber niemand will uns helfen und ich weiß nicht einmal, warum.“ Und zwar weil das Medikament Equasym Retard in der Vergangenheit oftmals als Aufputschmittel missbraucht wurde, wie verschiedene Krankenkassen auf Nachfrage mitteilen. „Deshalb darf es nicht jeder Arzt verschreiben, man benötigt eine Zusatzqualifikation“, sagt Karl Matthias Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. „Es ist die Entscheidung des Arztes, ob er der Therapie mit diesem Medikament zustimmt oder nicht“, sagt Riyad Salhi, Sprecher der AOK-Hessen. Trotzdem, so Roth, hätte der Hausarzt Bergmann eine Alternative anbieten müssen. „Doch das hat er nie getan“, sagt die verzweifelte Mutter.

Tipps und Unterstützung

Nach der Veröffentlichung des Artikels im EXTRA TIPP haben sich zahlreiche Leser gemeldet und der Familie Unterstützung und Tipps angeboten. Darunter viele Betroffene, selbst Mütter mit Kindern, die an ADHS leiden oder gelitten haben. Einige hilfsbereite Leser vermuteten sogar, dass Bergmanns Sohn eine ganz andere Therapie einschlagen sollte, um die heimtückische Krankheit zu überwinden. So sollte etwa untersucht werden, ob Bergmanns Sohn nicht eventuell ein Linkshänder sei, oder dass er sich einem visuellem Training bei einem Augenarzt unterziehen sollte.

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Die Apothekerin Deborah Hof-Klatt aus Seligenstadt hat eine ganze Liste von Fachärzten an die Redaktion geschickt, an die sich Bergmann wenden kann. Die Fachfrau kennt das Problem mit ADHS und was es innerhalb einer Familie auslösen kann genau: „Leider können Außenstehende, auch Ärzte, sich oft nicht vorstellen, wie belastend das Zusammenleben mit einem an ADHS leidenden Kind für eine Familie – und auch für das Kind selbst – sein kann. Oft können Medikamente tatsächlich, bei überschaubaren Nebenwirkungen, helfen, dem Kind ein weitgehend normales Leben, etwa im Schulalltag, zu ermöglichen – natürlich nur als Ergänzung zu geeigneten Therapien und ähnlichen Maßnahmen.“

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