Klare Aussagen: Fehlanzeige!

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Bereits im November 2011 kämpften die Mitarbeiter von Manroland in Offenbach um ihre Arbeitsplätze.

Region Rhein-Main – Die Hiobsbotschaften kommen im Wochentakt. Stellenabbau dort, Verlagerung von Arbeitsplätzen da. Oder gar gleich die Abwicklung eines ganzen Unternehmens. Viele Menschen in der Region tragen derzeit die Sorge mit sich herum, ihren Job zu verlieren. Von Norman Körtge

Auch deshalb, weil sich die Managements der Unternehmen vor klaren Aussagen drücken. Es ist vor allem die Perspektive, die fehlt. Zum Beispiel bei Vodafone in Eschborn. Arcor hieß das Unternehmen, bis es 2009 in Vodafone aufging und der Arbeitsplatzabbau begann. Von einstmals etwa 1500 Mitarbeitern sind jetzt noch 900 da. Und es werden noch weniger. 350 Arbeitsplätze sollen bis Ende März 2013 nach Düsseldorf verlagert werden. Betriebsratsvorsitzender Ralf Kreer weiß zum einen, dass viele diesen Schritt aus familiären oder Altersgründen nicht mitmachen können. Zum anderen befürchtet er, dass die Salami-Taktik beim Stellenabbau der Unternehmensführung weiter geht. „Es gibt keine langfristigen Zusagen, die wirklich eine Bedeutung haben“, sagt Kreer. Als Mitarbeiter kürzlich bei einer Versammlung nachhakten, ob die Unternehmensführung unter „langfristig“ zum Beispiel zehn Jahre verstehe, wurde dies verneint. Auch bei fünf Jahren gab es kein Ja. Und selbst bei drei Jahren gab es keine klare Zustimmung, berichtet der Betriebsratsvorsitzende. Er glaubt, dass weitere Stellen in Eschborn abgebaut werden könnten beziehungsweise – wie schon bei der Netzüberwachung geschehen – nach Rumänien ausgelagert werden. Da weniger Beschäftige auch weniger Platz brauchen, möchte Vodafone zudem bis Oktober 2013 ein anderes Gebäude im „Großraum Eschborn“ beziehen, ergänzt Kreer.

Im schlimmsten Fall gar kein Gebäude braucht bald mehr der insolvente Versandhändler Neckermann in Frankfurt. „Es steht Spitz auf Knopf“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Wolfgang Thurner. Denn am 30. September läuft das Insolvenzgeld aus. Wenn bis dahin kein Investor gefunden ist, bedeutet es das endgültige Aus für das Traditionsunternehmen – und rund 2400 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Eine Prognose, ob sich in der verbleibenden Zeit noch jemand findet, der Neckermann übernehmen kann, mag Thurner nicht abgeben. Nur so viel: „Auch eine minimale Chance ist eine Chance.“

Einen Käufer hatte der insolvente Offenbacher Druckmaschinenhersteller Manroland Anfang des Jahres gefunden – verbunden mit einem massiven Stellenabbau. Fast 1000 Mitarbeiter verloren ihren Job – ungefähr die Hälfte der damaligen Belegschaft. Doch zur Ruhe kommt das Unternehmen nicht. Jüngst wurde bekannt, dass weitere 110 Stellen gestrichen werden sollen. „Die Verunsicherung ist groß“, sagt Betriebsratsvorsitzender Andreas Firle. Zugleich bemängelt er, dass die Unternehmensführung kein klares Betriebskonzept vorlegt. Und Firle legt sogar noch nach. Er ist der Meinung, dass sich das Unternehmen Manroland am Markt viel zu defensiv verhalte und dadurch zu wenige Aufträge an Land ziehe. Ausbaden müssten das dann die Beschäftigten mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes.

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