"Ich spare Müll und zahl’ drauf!"

Anwohnerin sauer: Offenbach besteht auf Mindestmenge, während Frankfurt viel flexibler ist

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Gisela Sanftleben zeigt der Stadt den Vogel. Die Offenbacherin kann nicht verstehen, warum sie aber zur Kasse gebeten wird, obwohl einer ihrer Tonnen immer leer bleibt.

Offenbach/Frankfurt – Gisela Sanftleben aus Offenbach trennt ihren Abfall so ordentlich, dass kaum Restmüll anfällt. Trotzdem zwingt die Stadt ihr riesige Mülltonnen auf. Und kassiert dafür ab. Das Beispiel Frankfurt zeigt, dass es auch anders geht. Von Christian Reinartz

Gisela Sanftleben ist sauer, wenn sie die riesige Mülltonne in ihrem Hof an der Falltorstraße stehen sieht. „Die ist völlig unnütz“, sagt die 66-Jährige. „Die hat noch keinen Müll gesehen.“ Jungfräulich glänzt das Plastik, als sie den Behälter öffnet. „Wir haben ja nicht mal genug Restmüll, damit eine Tonne voll wird“, sagt Sanftleben. „Wir zahlen aber für zwei.“ Sanftleben will das ändern und schreibt den städtischen Dienstleister ESO an. „Aber die haben mir klipp und klar gesagt, dass ich diese Tonne behalten und auch bezahlen muss. Das wäre so vorgeschrieben.“

Das Müll-System offenbart hier Nachteile

ESO-Sprecher Oliver Gaksch bestätigt: „Ja, es gibt eine Mindestmüllmenge von zehn Litern pro Person und Woche.“ Im Falle von Gisela Sanftleben wohnen zehn Personen in dem Mehrfamilienhaus in Bürgel. Pro Woche entsteht so ein Pflichtmüllvolumen von 100 Litern. Da die ESO alle zwei Wochen abhole, sei Sanftleben verpflichtet, die zweite Tonne zu bezahlen. Auch, wenn diese nicht genutzt werde. Oliver Gaksch muss aber zugeben: „Es gibt Fälle wie diesen, bei dem das System Nachteile bringt.“ Einlenken wolle man aber trotzdem nicht. „Sonst stehen gleich alle hier vor der Tür.“

ESO will illegale Müllentsorgung verhindern

Warum es überhaupt eine verpflichtende Mindestmüllmenge gibt, begründet Gaksch so: „Das ist ein ganz normales Prozedere. Damit steuern wir, dass etwa in den Innenstadtbereichen auch wirklich so große Tonnen geordert werden, dass sie auch reichen.“ Würde die Stadt das anders machen, hätte das übervolle Restmülltonnen und illegale Müllentsorgung in städtsichen Papierkörben zur Folge. „Das Problem ist, dass die Leute immer automatisch die kleinstmögliche Tonne ordern. Auch wenn die eigentlich nicht reicht.“ Das Nachsehen haben Menschen, die fein säuberlich ihren Müll trennen.

In Frankfurt gibt es keine bestimmte Tonnengröße

Gisela Sanftleben kann das nicht glauben: „Ich werde noch dafür bestraft, dass ich meinen Müll fein säuberlich trenne. Wofür soll ich das dann also in Zukunft noch machen?“

Als der EXTRA TIPP in Frankfurt nachfragt, heißt es bei der Frankfurter Entsorgungs- und Servicegesellschaft (FES): „Wir zwingen niemanden eine bestimmte Tonnengröße auf.“ Dort könnte man etwa im Fall von Gislea Sanftleben, je nach Wunsch eine 80-Litertonne ordern, unabhängig von der Personenzahl. Allerdings sei dies die kleinste Tonne. Einen gewisse Mindestmüllmenge gibt es dort also auch.

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