Leben zwischen Flugzeug-Krach und Lkw´s

Frau aus Mörfelden beklagt: Lärm macht mich krank

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Anita Schwappacher aus Mörfelden-Walldorf kann den Dauerlärm um ihre Wohnung herum kaum mehr ertragen.

Region Rhein-Main – Reaktion auf den EXTRA TIPP-Artikel „Jeden Tag vom Lärm umzingelt“: Anita Schwappacher leidet seit sieben Jahren unter Dauerlärm. Nicht nur der Krach der Flugzeuge, auch der ständige Lkw-Lärm macht ihr gesundheitlich zu schaffen. Von Dirk Beutel 

Anita Schwappacher steht auf ihrem Balkon und sieht in den Nachmittagshimmel. Es dauert keinen Augenblick, als ein Flugzeug von der Startbahn West des Frankfurter Flughafens über ihre Wohnung hinwegfliegt. Ein paar Minuten später röhrt schon das nächste hinterher. „Das geht hier im Minutentakt immer so weiter“, sagt sie. Nur ein paar Meter von ihr entfernt vermischt sich derweil der Fluglärm mit dem Poltern einiger Lkw, die die Darmstädter Straße entlangfahren. Anita Schwappacher wohnt in einem regelrechten Lärmtrichter. „Der Dauerlärm hier ist der Wahnsinn“, sagt sie: Morgens um fünf geht´s schon los. Und wenn so ein Zwölf-Tonner mal in die Bremsen steigt, stehen sie senkrecht im Bett.“ Ein Ende ist nicht in Sicht. Denn die zahlreichen Lkw nutzen diese Strecke offenbar nicht nur um ein paar Kilometer, sondern auch die Maut zu sparen.

Besonders laut wird es, wenn wieder einmal ein Flieger seine Route wegen des Wetters ändern musste. Schwappacher weiß es genau. Regelmäßig beschwert sie sich beim Flughafenbetreiber Fraport. Doch alles was sie bekommt, sind Briefe, die ihre Beschwerde nur bestätigen. Von einer Entschuldigung kein Wort. Zumindest, so heißt es, werde der Chefpilot des jeweiligen Fluges gebeten, seine Besatzungen zu möglichst präziser Navigation und somit zu lärmbewussten Flugverhalten aufzufordern.

Dauerlärm macht krank

Horst Weise vom Deutschen Fluglärmdienstes, einem in Mörfelden-Walldorf ansässigen Verein, bestätigt: „Wer direkt unter den Routen der 18-West liegt, bekommt die volle Dröhnung.“

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Seit sieben Jahren wohnt Anita Schwappacher in Mörfelden-Süd. Die ständige Beschallung zeigt mittlerweile Spuren: Nervosität, Herzrasen. „Ich merke, dass ich dünnhäutiger geworden bin – nicht mehr so belastbar“, sagt Schwappacher. „Dauerlärm macht krank, definitiv. Doch dagegen tut niemand etwas. Es passiert nichts, schon gar nicht von unserer Landesregierung.“

Wut und Hilflosigkeit sind aus ihrer Stimme herauszuhören. Tatsächlich hat sie schon über einen Umzug nachgedacht. In den Odenwald, in die Wetterau. Irgendwo, wo es still ist. Doch Schwappacher hat in Mörfelden-Walldorf Freunde und Verwandte, ihr ganzes soziales Umfeld. Und sie stellt klar: „Wir brauchen den Flughafen, das ist ganz klar. Was wir aber nicht brauchen, sind Terminal drei oder irgendwelche Nahstreckenflüge, dafür gibt es die Bahn. Oder Luxusflüge, nur um nach New York zum Frühstücken zu fliegen.“

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