Angst vor dem Atom-Nebel

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Professor Friedrich Steinhäusler hat ein Buch zur Terrorbedrohung in Europa geschrieben. Dem EXTRA TIPP verrät er jetzt, wie bedroht die Rhein-Main-Region wirklich ist.

Region Rhein-Main – Wütet bald der Islamisten-Terror vor unserer Haustür? Professor Friedrich Steinhäusler ist Sicherheitsexperte der Europäischen Union und sieht Frankfurt, Offenbach und Umgebung bedroht. Er hält einen Anschlag mit radioaktivem Sprühnebel für möglich. Von Christian Reinartz

Steinhäusler spricht Klartext: „Das ist leider nicht bloß erschreckende Zukunftsmusik. Ein Anschlag ist jederzeit möglich!“ Der Salzburger weiß, wovon er spricht. Er koordiniert das EU-Projekt „CAST“, bei dem Angriffe mit nuklearen, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen simuliert werden. Zudem leitet er drei Sicherheitsexpertengruppen für die Nato und hat ein Buch mit dem Titel „Terrorziel Europa“ geschrieben, das am 20. Januar in den Handel kommt.

„Das Rhein-Main-Gebiet ist für Terroristen fast genauso interessant wie Berlin“, warnt Steinhäusler. Gerade die wirtschaftliche Stellung mache Frankfurt, aber auch Offenbach und Umgebung zu einem attraktiven Ziel für Terroristen. Dazu komme der Flughafen als wichtigster Verkehrsknotenpunkt Europas.

Besonders erschreckend: Der Terror-Forscher hält neben Anschlägen mit Sprengstoff auch einen Atom-Angriff für realistisch. „Doch man darf sich da jetzt keine Atombombe oder eine schmutzige Bombe vorstellen“, erklärt der Wissenschaftler: „Viel wahrscheinlicher ist, dass Terroristen durch die Stadt fahren und eine radioaktive Flüssigkeit versprühen.“

Der technische Aufwand dafür wäre minimal, die Folgen aber fatal. Anja Schulte-Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz dazu: „Die radiologischen Gefahren werden im Allgemeinen überschätzt. Die Wirkung ist abhängig von den verwendeten Stoffen. Dabei sind Szenarien denkbar, bei denen in der Umgebung des Freisetzungsortes Notfallschutzmaßnahmen erforderlich werden. Unabhängig von der tatsächlichen Gefährdung kann eine Verunsicherung der Bevölkerung bis hin zu Hysterie die Folge sein.“ Heißt im Klartext: Panik! Ganze Stadtteile wären lahm gelegt. Niemand würde mehr die kontaminierten Bereiche betreten wollen, prophezeit Steinhäusler. Laut ihm sei eine Reinigung zwar möglich, aber eben auch extrem teuer. Träfe es gar das Bankenviertel, wären die wirtschaftlichen Folgen immens.

Beim Hessischen Innenministerium sieht man die Situation so: „Das Szenario ist denkbar, aber wird aktuell als wenig wahrscheinlich bewertet. Konkrete Erkenntnisse, die eine besondere Gefährdung belegen, liegen nicht vor.“

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