Angela Kreuder: „Mein Fall wird einfach vergessen“

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Angela Kreuder vor dem Unfall.

Messel – Angela Kreuder hat alles verloren. Ihr Geld, ihre Gesundheit aber vor allem ihre Zuversicht. „Ich sitze in meiner Wohnung und warte“, sagt die 53-Jährige. Denn nach einem Betriebsunfall kann sie nichts mehr heben, nichts mehr tragen und nicht mehr dauerhaft sitzen. Trotzdem soll sie wieder arbeiten. Für sie unglaublich.

Vor vier Jahren fällt sie von einem Hubwagen und verletzt sich schwer. Damit nicht genug: Der Fall wird nie als Betriebsunfall gemeldet. Für sie verheerend.

Angela Kreuder nach dem Unfall.

Mehrere Operationen sind nötig. Der gefährlichste Eingriff: Ihr wird im Februar 2007 ein Netz als Ersatz für ihre Bauchdecke eingesetzt, weil sich in ihrem Bauch nach dem Unfall ein Loch gebildet hat. Um einige Operationen überhaupt durchführen zu können, hat die einstige 150-Kilo-Frau insgesamt 45 Kilo abgenommen. Mit der überflüssigen Haut kämpft sie noch heute. Genauso wie mit den Behörden. Denn von Januar 2006 bis zum 30. Juni 2008 erhält sie Berufsunfähigkeitsrente. Danach fordert sie die Bundesagentur wieder auf zu arbeiten. Kreuder: „Aber was soll ich machen? Mein Hausarzt hat mir attestiert, dass ich nicht mal dauerhaft sitzen kann.“ Sie hat Widerspruch eingelegt. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Daher lebt sie seit dem 1. Juli von null Euro. Der Lohn ihres Mannes – der Metzger ist – hält die beiden über Wasser. Kreuder: „Ich hab‘ noch nie ein Jobangebot bekommen. Mein Fall wird seit Monaten nicht behandelt. Und Unterstützung bekomme ich nicht. So geht‘s nicht.“ agk

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