Ampel-Wahnsinn: Zwölf Stunden „Rot“

Dietzenbach – Eine Ampel, die zwölf Stunden lang Rot zeigt – so etwas gibt es in der Waldstraße in Dietzenbach. Und wohl kaum eine andere Ampel in Deutschland wird so oft ignoriert oder treibt Unwissende derart in den Wahnsinn.

Der EXTRA TIPP hat eine Stunde lang das kuriose Schauspiel in der Kreisstadt beobachtet.

Seit Ende 2003 ist die Einbahnstraßen-Ampel an der S-Bahn-Unterführung in der Waldstraße in Betrieb. Sie sorgt dafür, dass man morgens nur zum Gewerbegebiet und nachmittags nur in Richtung Hauptstraße fahren darf. Um null und um zwölf Uhr wechseln die Richtungen. Verhindert werden soll damit der Schleichverkehr durchs Steinberger Wohngebiet. Seit Dezember 2005 wird das auch durch Rotlicht-Blitzer auf beiden Seiten der Unterführung überwacht.

Doch viele lassen sich von den Blitzern – die nur unregelmäßig mit einer Kamera bestückt sind – nicht abschrecken. Sie umfahren einfach den Bereich mit der Kontaktschleife. Am Dienstag dieser Woche beobachtete der EXTRA TIPP innerhalb einer knappen Stunde gleich vier Autofahrer, die das Rotlicht ignorierten. Drei davon umfuhren nach kurzen Wartezeit vor der Ampel den Blitzer, einer aber fuhr ganz frech gleich direkt auf die Gegenfahrbahn.

Beinahe mit fatalen Folgen: Denn genau in dem Moment kommt ein Auto entgegen. Bremslichter leuchten auf. Nur knapp verhindern die beiden Fahrzeuglenker einen Frontalcrash. Glück gehabt.

Im selben Zeitraum haben 13 Autofahrer nach mehr oder weniger langer Wartezeit gewendet und sind die Strecke zurück gefahren. Auffällig: Die wenigstens davon hatten OF-Kennzeichen.

Völlig entnervt dürfte die Fahrerin einen dunkelgrauen Audi mit DA-Kennzeichen sein. Sie fährt hinter einem Kleinbus der Arbeiterwohlfahrt. Dessen Fahrer hat, wie einige Anwohner der Waldstraße auch, eine spezielle Chipkarte, um die Ampel manuell auf Grün zu schalten. Die Ampel schaltet um, der Awo-Bus fährt los. Auch die Audi-Fahrerin gibt Gas, doch sie ist noch nicht ganz über die Haltelinie, da zeigt die Ampel schon wieder Rot. Wäre der Blitzer mit einer Kamera bestückt gewesen, wäre sie geblitzt worden und der Führerschein wäre erst einmal weg. Die Frau bleibt stehen. Sie scheint so verunsichert, dass sie hinter der Ampel wendet und zurück fährt.

Kurze Zeit später ist sie schon wieder da und bleibt stehen. Zwei Minuten lang! Dann kommt von hinten ein BMW-Fahrer. Sie schaltet die Warnblinkanlage ein. Der nette Fahrer steigt aus. Er hat eine Chipkarte und lässt ganz Gentleman die Frau damit bei Grün passieren. Diese Frau wird Dietzenbach und seine kuriose Ampel so schnell nicht vergessen.

Für Dietzenbachs Bürgermeister Stephan Gieseler ist die Ampel jedenfalls ein großer Erfolg in Sachen Verkehrsberuhigung. „Viele Leute haben gedacht, dass ist eine kleine Umgehungsstraße. Ist sie aber nicht!“, betont das Stadtoberhaupt. Seit der Inbetriebnahme habe sich das Verkehrsaufkommen deutlich reduziert. Dass manche Autofahrer das Rotlicht samt Blitzer umfahren, sei zwar ärgerlich, aber nicht zu verhindern. Eine eigene Statistik, wie viele dort geblitzt würden, gibt es nicht. Gieseler warnt: Zeitweise kontrolliert das Ordnungsamt die Einhaltung.

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