Zum Leid der Hilfsorganistionen

Der lukrative Kampf um die Altkleider

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Wer seine Altkleider nicht nur einfach schnell entsorgen, sondern damit auch Hilfsorganisationen unterstützen möchte, sollte nur Container von bekannten und seriösen karitativen Einrichtungen nutzen.

Region Rhein-Main – Mit Altkleidern kann viel Geld verdient werden. Das nutzen gewerbliche Sammler aus – zum Leidwesen der Hilfsorganisationen. Von Norman Körtge 

Sieben Altkleidercontainer innerhalb von nur fünf Gehminuten. Wer in Offenbach-Tempelsee zwischen Brunnenweg und Neuer Schneise seine Kleider entsorgen möchte, dem wird es sehr einfach gemacht. Altglas- und Altpapiercontainer sucht man in dieser Häufigkeit vergeblich. Kein Wunder, denn das Geschäft mit Altkleidern ist lukrativ. Das ist alleine daran zu erkennen, dass nur ein einziger der sieben Container von einer karitativen Einrichtung ist. In diesem Fall den Maltesern. Alle anderen sind von rein gewerblichen Anbietern. Sehr zum Ärger der Hilfsorganisationen.

Offenbach verlangt 100 Euro pro Container

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Container-Diebe auf Beutejagd

„Viele Leute machen leider keinen Unterschied, in welchen Container sie ihre Altkleider werfen“, berichtet Kvetoslava Roth  vom Arbeiter-Samariter-Bund Hessen. Hinzu komme, dass viele Kommunen mittlerweile Geld für die Container-Aufstellung verlangen. In Offenbach zum Beispiel sind es 100 Euro pro Container und Jahr. Nach Auskunft von Ordnungsamtsleiter Peter Weigand gibt es in Offenbach insgesamt 89 ausgewiesene Standorte, die 2011 für vier Jahre an acht Aufsteller in einem Losverfahren vergeben wurden. Nur drei davon sind karitative Organisationen. Dass es allerdings viel mehr als 89 Container gibt – alleine die Anhäufung in Tempelsee beweist es – weiß auch Weigand: „Stehen die Container auf privaten Flächen sind uns die Hände gebunden.“

In Frankfurt nur Container von karikativen Organisationen erlaubt

In Frankfurt dürfen nur karitative Organisationen im öffentlichen Raum Container aufstellen. Dennoch registriert das Ordnungsamt immer wieder, dass Container illegal aufgestellt werden. Dass es sich um ein lohnendes Geschäft handelt, macht Ralph Rohr unter anderem daran fest, dass sich die illegalen Aufsteller auch von einem drohenden Ordnungsgeld in Höhe von mehreren hundert Euro nicht abschrecken lassen. „Das nehmen die billigend in Kauf“, so Rohr.

Immer mehr illegale Container

Dass immer mehr illegale Container auftauchen, hat das Deutsche Rote Kreuz  (DRK) in Frankfurt mit Sorge festgestellt. „Natürlich wirkt sich das negativ auf unsere Sammlungsmenge aus“, sagt Dierk Dallwitz, Geschäftsführer des DRK Frankfurt. Seine ganz klare Bitte ist: Nur an bekannte und seriöse Organisationen spenden. Um sich von gewerblichen Sammlern abzugrenzen, hat das DRK bereits vor zwei Jahren damit begonnen, seine Altkleidercontainer neu zu gestalten.

Wie der DRK-Geschäftsführer erklärt, landen auch nicht alle von Hilfsorganisationen gesammelten Altkleider in Kleiderkammern für Bedürftige oder etwa dem Familienmarkt der Caritas in Frankfurt (www.familienmarkt-frankfurt.de). Auch das DRK arbeitet mit Verwertern zusammen. Mit dem wichtigen Unterschied: „Die Erlöse, die das Rote Kreuz damit erzielt, fließen in unsere sozialen Projekte und Einrichtungen.“

Zu kämpfen haben die Organisationen aber auch oft mit Müllentsorgungen: Teppich- und Tapetenreste, Hausmüll und auch schon das ein oder andere offenbar gestorbene und entsorgte Haustier befand sind in den Containern. „Dass ruiniert oft gut erhaltene Sachen“, sagt Dallwitz. Auch gehören zerlumpte und stark verschmutze Kleidung nicht in den Altkleidercontainer, sondern in den Hausmüll.

Es geht aber auch anders: Von einer sehr guten Kleiderqualität kann Patric Dietzel vom DRK-Kreisverband Offenbach vor allem aus den ländlicheren Regionen berichten. Gewaschene, gebügelte und ordentlich zusammengelegte Altkleiderpakte sind dort keine Seltenheit.

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