ADAC ist nicht begeistert

Zum Wohle der Radfahrer: Künftig Tempo 30 in der Stadt?

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Region Rhein-Main – Wird Tempo 30 bald zur Regel in deutschen Städten? Dies fordert zumindest der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club aus Hessen (ADFC) gemeinsam mit dem Fußgänger-Interessenverband FUSS. Der Autoclub ADAC ist nicht begeistert darüber. Von Oliver Haas.

Es wird gehupt, es wird klingelt, es fallen Schimpfwörter. Berichtet wird später von Pedal-Rambos und dergleichen. Wenn Fußgänger mit Radfahrern aneinander geraten, wird´s oft hässlich auf deutschen Straßen. Dieser Konflikt soll vor allem dadurch gelöst werden, dass sich beide Parteien im Verkehr aus dem Wege gehen. Dies behaupten unisono die Radfahrer- und Fußgängervertretung ADFC und FUSS. Als Mittel dafür sollen breitere Fahrbahn-Radwege und auch ein generelles Tempo-30-Limit für Innenstädte eingeführt werden.

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Norbert Sanden, Geschäftsführer von ADFC Hessen, zum Vorstoß seines Clubs: „Es muss umgedacht werden, was Geschwindigkeiten in der Innenstadt angeht. Nicht Tempo 50 sollte die Normalität sein, sondern Tempo 30!“ Nur in absoluten Ausnahmefällen solle künftig geprüft werden, ob weiterhin Tempo 50 besser sei. Durch die Annäherung an die Radfahr-Geschwindigkeiten würden sich laut Sanden die Fahrradfahrer wieder mehr auf die Straße trauen, sozusagen im motorisiertern Verkehr „mitschwimmen“ – und wären somit weg von den Wegen der Fußgänger. Und die würden davon profitieren, sagt Manfred Bernhard, Vorstandsmitglied vom Fußgängerclub FUSS: „Zum Gehen gehört auch, nebeneinander zu gehen und in ein Gespräch, in eine Diskussion, vertieft zu sein, plötzlich die Richtung zu ändern, Stehenbleiben. Das ist Lebensqualität – und ein Problem für den auf der gleichen Fläche fahrenden Radfahrer, der sich auf solche spontanen Bewegungen schlechter einstellen kann.“

Unsicher ob sich Sicherheit für Radfahrer dadurch erhöht

Verkehrsexperten sehen eine derartige Regeländerung für den motorisierten Verkehr in den Städten kritisch.

Rainer Buck von der Straßenverkehrsbehörde in Offenbach zur Forderung des ADFC: „Hier bei uns sind eigentlich bereits alle Stadtteile ausreichend mit Tempo 30-Zonen ausgestattet. Und ob es wirklich sinnvoll ist, dass man bei dem hohen Verkehrsaufkommen Tempo 30 gesetzlich als Regelgeschwindigkeit festlegt, halte ich sehr fraglich.“ Auch dass es dann vermehrt zu Staus kommen könne, hält Buck für möglich. Obgleich sowas sehr detailliert durchgeprüft werden müsse. Aber solange gesetzlich noch nichts in die Wege geleitet wird, sehe die Stadt ohnehin kein Handlungsbedarf.

Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des Automobilclubs ADAC Hessen-Thüringen, sieht den Tempo-30-Vorstoß der Radfahrer- und Fußgängerlobby ebenso fragwürdig: „Der Zeitpunkt ist für eine generelle innerstädtische Tempobeschränkung auf Tempo 30 nicht gegeben. Die bauliche Beschaffenheit der Straßen geben das einfach nicht her.“ Er befürchtet, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 oft ohnehin nicht eingehalten werden würde, wenn durch die Optik der Straße, wie etwa der Breite, der Eindruck für eine höhere Geschwindigkeit vorhanden sei. Auch den Sicherheitsaspekt bezweifelt er: „Auf den ersten Blick erscheint es so, dass sich mit einer generellen Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern die Sicherheit für die Radfahrer erhöht. Doch die meisten Unfälle zwischen Autos und Radfahrern passieren an den Knotenpunkten und nicht an den Längsstraßen.“ Somit würde eine Geschwindigkeitsänderung innerorts laut Herda diese Unfallzahlen wohl kaum beeinflussen.

Grundsätzlich müsse man immer abwägen, welche Auswirkungen ein Tempo 30 etwa bei einer Straße in Frankfurt hätte, mit hohem Verkehrsaufkommen, wo täglich etwa 200.000 Autos fahren. Außerdem sei es ein Irrglaube, dass die meisten sofort vom Auto auf das Fahrrad wechseln, wenn bessere Bedingungen für Radfahrer herrschen.

„In Hessen gibt bereits die Rechtspraxis her, dass bei Hauptverkehrsstraßen es durchaus möglich ist, eine Tempo-30-Zone einzuführen.“ Deshalb braucht es aus Sicht des ADAC keine Umkehr von der jetzigen Tempo-50-Regel in den Innenstädten.

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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