Allein im Qualm: Feuerwehr lässt Rentner im Stich

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Schwarz: Klaus Herzing zeigt auf die Spuren, die das Feuer auf dem Balkon hinterlassen hat.

Offenbach – Ein Knall und ein Schrei rissen Klaus Herzing am 9. Januar aus dem Sessel. Im Stockwerk unter seiner Wohnung brannte es. Der 60-Jährige rief die Feuerwehr. Die kam bald – doch, so der Vorwurf Herzings, den Frührentner vergaßen sie. Erst nach einer halben Stunde wurde er gerettet. Von Julia Renner

„Ich habe Fernsehen geguckt, als plötzlich Schreie zu hören waren“, erinnert sich Herzing an den Sonntagabend. Er ging auf den Balkon, um nachzusehen. Aus der Wohnung eine Etage tiefer sah er da auch schon die Flammen schlagen. Herzing rief die Feuerwehr, die nach wenigen Minuten gekommen sei.

Allerdings: 15 Minuten später saß der Frührentner immer noch in seiner Wohnung fest. Schwarzer Qualm hatte sich da längst durch Tür- und Fensterritzen in seiner Wohnung breitgemacht, auch im Treppenhaus war alles voll Rauch. „Ich konnte nicht mehr flüchten.“ Er rief noch einmal die 112 an, sagte, dass er kaum noch Luft bekommt. Passiert sei auch dann noch nichts.

Mit einem Handtuch vor Mund und Nase gewartet

Herzing harrte weiter in seiner Wohnung aus und rief schließlich noch ein drittes Mal bei der Notrufnummer an. „Da wurde ich dann endlich gefragt, ob meine Wohnung über oder unter dem Brandherd sei.“Mit einem Handtuch vor Nase und Mund saß er dann am Boden und wartete auf die Feuerwehrmänner. Wenige Minuten nach dem dritten Anruf kamen die Einsatzkräfte und retteten Herzing. Zwischen diesem Moment und seinem ersten Anruf lagen knapp 30 Minuten. Viel zu viel, sagt der 60-Jährige. „Wenn die Telefonleitung tot gewesen wäre, hätte ich ersticken können.“Den Feuerwehrmännern, die im Haus am Nordring im Einsatz waren, macht er keinen Vorwurf: „Sie haben mein Leben gerettet.“ Richtig verhalten habe sich aber nicht die Frau in der Rettungsleitstelle. Auch wenn Klaus Herzing den Brand unversehrt überstanden hat: „Es geht bei sowas doch um Leben.“

Eine "unglückliche Verkettung"

Uwe Sauer, Leiter der Offenbacher Berufsfeuerwehr, räumt ein, dass es gut 30 Minuten dauerte, bis die Einsatzkräfte Herzing retteten.„Unser klares Ziel ist bei jedem Brand: Sofort die Leute rausholen.“ Allerdings habe sich die Situation „an einer Stelle dramatisch zugespitzt“. Der Trupp, der zu Herzing in den siebten Stock sollte, musste umkehren. Ein Feuerwehrmann hatte plötzlich körperliche Probleme. „Das war für Herrn Herzing eine unglückliche Verkettung,“ sagt Uwe Sauer.

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