Aggressiv Reinheim : Angst vor der Bahnhofs-Gang

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Auf dem Bahnhof regiert die Jugend-Gang "Aggressiv Reinheim". Überall haben sie ihr Kürzel hingeschmiert.

Reinheim – Eine Jugend-Gang hält die Reinheimer in Atem. Nicht nur, dass Jugendliche regelmäßig Opfer der aggressiven Halbstarken werden. Auch Reinheimer Geschäftsleute haben Angst. Aber Stadt und Polizei versuchen das Problem kleinzureden. Von Christian Reinartz

AVRM – das ist das Zeichen der Jugendgang „Aggressiv Reinheim“. Ihr Territorium: Das Bahnhofsgelände mitten in der Stadt. Überall dort hat die Gang ihr Zeichen hingeschmiert oder eingekratzt. Jeder Jugendliche weiß, was das heißt: „Hier regieren wir!“

„Wir“ – das ist ein harter Kern von acht bis zwölf Jugendlichen meist ausländischer Herkunft. Darum gruppiert sich eine lose Zahl Jugendlicher, die sich die Gang-Mitglieder zum Vorbild nehmen. Auf ihre Kappe gehen mittlerweile etliche schwere Straftaten, darunter räuberische Erpressung und schwere Körperverletzung. Polizeipressesprecher Marc Wuthe bestätigt: „Wir kennen die Mitglieder der Gruppe und können deshalb konkret ermitteln.“ Der letzte aktenkundige Vorfall liege aber schon über einen Monat zurück. „Wir vermuten, dass sich die Gruppe wieder aufgelöst hat.“

Anwohner fürchten die Jugend-Gang

Von einer Auflösung könne aber gar keine Rede sein. Das steht für die Schüler der Reinheimer Dr.-Kurt-Schumacher-Gesamtschule fest. „Die treffen sich fast jeden Tag am Bahnhof“, sagt eine junge Frau: „AVRM ist hier nach wie vor jedem ein Begriff.“ Ein anderer Schüler kennt die Jungs persönlich: „Die wohnen bei mir im Viertel.“ Eine andere Schülerin: „Sobald es irgendwo eine Schlägerei gibt, sind die alle da.“ Angst auf die Straße zu gehen, habe sie deshalb aber nicht.

Die Geschäftsleute im Umfeld des Bahnhofes haben immer noch Angst vor der pöbelnden Gang. „Die haben mir schon das Auto zerkratzt, weil ich mich beschwert habe. Aber keiner unternimmt was gegen die Bande“, sagt eine Nachbarin, die aus Angst vor Repressalien anonym bleiben will.

Die Stadt behauptet unterdessen steif und fest, dass es in Reinheim kein Gang-Problem gibt. Dort spricht man lieber von einer „Clique“, hat mit den Jugendlichen wegen der Vorfälle gesprochen. Bürgermeister Karl Hartmann: „Wir werden die Entwicklung im Auge behalten und in Kontakt mit der Polizei bleiben.“

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