Aggressiv- Anstrich: Stress wegen Rot-Blau

Von Christian ReinartzNeu-Isenburg - Der Streit um den angeblich aggressiv machenden Anstrich des Hochhauses "Frankfurter Straße 184" in Neu-Isenburg geht in die nächste Runde.

In zwei Berichten des EXTRA TIPPS hatten Leser ihrem Ärger über den rot-blauen Neuanstrich des Beton-Klotzes Luft gemacht. Nun hat der Streit eine neue Dimension erreicht. Zwei Eigentümer unterstellen der Hausverwaltung und dem Verwalterbeirat des Hauses schwere Fehler.

"Diese furchtbaren Farben wurden nie von einer Mehrheit der Eigentümer ausgesucht", klagt Elfriede Haasler an: "Sondern von einem unfähigen Verwalterbeirat und einem unfähigen Architekten, den sich die unfähige Hausverwaltung auf dubiose Weise an Land gezogen hat." Dieses Team drücke seit Jahren alle Entscheidungen durch - auch am Willen der Eigentümer vorbei. Kurt Ortelbach bestätigt das. Er besitzt zwei Wohnungen und meint: "Alles, was da bei der Verwaltung abläuft, ist doch getürkt."

Elfriede Haasler bemängelt, dass die Abstimmung über den Anstrich auf wackeligen Beinen stehe. "Es waren weniger als die nötige Hälfte der Eigentümer anwesend. Trotzdem wurde es beschlossen." Sie habe beobachtet, wie Namen zur Anwesenheits-Liste hinzugefügt wurden, um den Schein zu wahren: "Dabei waren die gar nicht dabei."

Auch bei der Finanzierung glaubt Haasler Ungereimtheiten entdeckt zu haben. Ursprünglich habe sich die Eigentümer-Versammlung für eine kostensparende Sanierungsvariante (1,3 Millionen Euro) des maroden Beton-Klotzes entschieden. Der Hausverwalter, der prozentual an den Investitionen beteiligt werde, habe allerdings stets erfolglos auf die teuerste Variante gedrängt.

"Jetzt, wo die Arbeiten laufen, ist es auf einmal doch teurer. Die Hausverwaltung spricht jetzt von 500.000 Euro mehr", sagt Haasler den Tränen nah.

Verwalterbeirats-Mitglied Andreas Schmidt weist die Anschuldigungen weit von sich: "Da ist alles mit rechten Dingen zugegangen." Es sei nunmal schwierig, 180 Eigentümer unter einen Hut zu bekommen. "Bei der Entscheidung waren rund 55 Prozent der Eigentums-Anteile vertreten."

Die von Haasler genannte halbe Million Euro Mehrkosten verweist er ins Reich der Phantasie. "Wir werden nur minimal teurer", verspricht er: "Auf keinen Fall werden wir über 1,5 Millionen Euro kommen."

Warum Haasler und Ortelbach diese Anschuldigungen erheben, versteht er nicht. "Ich kann mir nur vorstellen, dass sie uns Steine in den Weg legen wollen." Beide seien bis 2003 selbst im Beirat gewesen, dann aber abgewählt worden. Nun täten sie alles, um den aktuellen Beirat zu diskreditieren.

Eines steht im Farben-Streit fest. Architekt Norbert Schniotalla, der den umstrittenen Anstrich ersonnen hat, scheint ein Faible für kräftige Farben zu haben. Sein Haus in Neu-Isenburg leuchtet in fast denselben Tönen wie das Hochhaus. Nachbarin Johanna Becker stört der Anstrich ebenfalls: "Ich kann bestätigen, dass diese Farben aggressiv machen."

Weder Architekt Norbert Schniotalla noch die Hausverwaltung war bis Redaktionsschluss zu erreichen.

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