Elfie Schunk leidet unter fehlerhaften Prothesen

Ärztepfusch: Trotz neuer Zähne kann sie nur Brei essen

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Elfie Schunk hat die ihr gezogenen Zähle alle aufgehoben.

Region Rhein-Main – Elfie Schunk hat neue Zähne im Mund. Doch essen kann sie damit nur Brei. Ein Ärztepfusch und seine langen Folgen. Von Norman Körtge 

 „Durch die Summation der einzelnen Punkte ist eine Neuanfertigung zu empfehlen“ – mit diesem Satz endet das Mängelgutachten, das ein Gutachter im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse   (KKH) angefertigt hat. Es geht um das Gebiss von Elfie Schunk aus Mörfelden-Walldorf. Die Frührentnerin hat Recht bekommen. Freuen kann sie sich darüber aber nicht. Denn es ist nur ein Zwischenschritt einer monatelangen Leidensgeschichte, deren Ende immer noch nicht abzusehen ist.

Eingesetzt bekommen hatte Schunk die Ober- und Unterkieferprothesen am 25. Juli 2013 in einer Zahnarztpraxis in Mörfelden-Walldorf. Die Hoffnung, mit den neuen Zähnen kraftvoll zubeißen zu können, erfüllte sich aber nicht. Beim Kauen hat sie immer Schmerzen. „Ich esse fast nur noch Reisbrei. Manchmal eine weiche Banane. Ich habe acht Kilo verloren und fühle mich einfach nur schwach“, erzählt sie.

Nachbesserungen halfen nichts

Immer wieder habe die gehbehinderte Walldorferin in der Zahnarztpraxis angerufen, habe sich hinfahren lassen und sei vorstellig geworden. Doch alle Nachbesserungen halfen nichts. Gut behandelt fühlte sich Schunk dort schon lange nicht mehr. Nach der Beschwerde bei ihrer Krankenkasse kam der eingeschaltete Gutachter im Februar dieses Jahres zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Passform der Prothesen unzureichend ist.

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Ärztepfusch: Schnell handeln! 

Die KKH bat deshalb Elfie Schunk, genau mit jener Zahnarztpraxis einen Termin zur Neuanfertigung auszumachen, die ihre Prothesen verpfuscht hat. Ein normales Vorgehen, wie die KKH auf Anfrage bestätigt: Es ist rechtlich festgelegt, dass der Zahnarzt eine zweijährige Gewährungsfrist und innerhalb dieser Frist Nachbesserungen kostenfrei übernehmen muss.

Doch die Zahnarztpraxis teilte ihr im März schließlich mit, dass damit erst am 20. Mai begonnen werden könnte. „Eine absolute Frechheit“, schimpft Schunk. Akribisch hat sie die zunächst handschriftlich notierten Gedächtnisprotokolle über Praxisbesuche und Telefonate nun auch auf ihrer Schreibmaschine abgetippt – seitenlang.

Das wurde nun offensichtlich auch der Zahnarztpraxis zu viel. Vergangene Woche legte die Praxis eine „Vereinbarung über einen Vertragswandel“ zum Unterschreiben vor. Der zufolge soll sich Schunk von einem Zahnarzt ihrer Wahl behandeln lassen. Der bezahlte Krankenanteil wird an die KKH zurückerstattet und der Eigenanteil der Walldorferin soll nach Rückgabe des Zahnarztes auf ihr Konto überwiesen werden. Aber nur, „sofern weitere Ansprüche ausgeschlossen werden“ heißt es in dem Schreiben. Von einer Entschuldigung fehlt jede Spur.

Meisten bestätigten Behandlungsfehler in Zahnmedizin

Das will Schunk nicht auf sich sitzen lassen. „Ich werte das alles als Körperverletzung“, sagt sie und behält sich rechtliche Schritte gegen die Praxis vor.

Trost spendet es Schunk auch nicht, dass sie kein Einzelfall ist. Diese Woche veröffentlichte der Medizinsche Dienst des Krankenkassen-Spitzenverbandes seine Jahresstatistik 2013 zu Behandlungsfehlern. Aus dieser geht hervor, dass im Verhältnis zur Zahl der Vorwürfe die meisten bestätigten Behandlungsfehler in der Zahnmedizin passieren. In Zahlen: Von 1277 Beschwerden, die 2013 nach Behandlungen in Zahnarztpraxen eingereicht wurden, wurden 425 bestätigt. Das sind immerhin 33 Prozent.

Schunks Fall wird in die Statistik 2014 einfließen – als bestätigte Fehlbehandlung.

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