Streit wegen Grabgestaltung

Gestörte Ruhe auf dem Friedhof

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Auf dem Waldfriedhof Goldstein und auch auf den restlichen Frankfurter Friedhöfen sind nur bestimmte Grabfassungen erlaubt.

Frankfurt – Auf dem Waldfriedhof Goldstein in Frankfurt Schwanheim kann derzeit nicht von Totenruhe gesprochen werden. Einige Gräber müssen umgebaut werden, da die Grabfassungen nicht der Friedhofsordnung entsprechen. Von Fabienne Seibel

Viele Schwanheimer, die ihre Angehörigen bereits vor Jahren auf dem Waldfriedhof beerdigt haben, sind verärgert.

„Da spricht man immer davon, dass man Tote ruhen lassen soll und nun wird hier so ein Unfug getrieben. Es kann doch nicht angehen, dass hier jetzt so viele Gräber für Hunderte von Euro umgebaut werden müssen“, sagt ein Schwanheimer Ehepaar, deren Sohn bereits seit 2001 auf dem Waldfriedhof begraben ist. „Ich habe das Grab unseres Sohnes so gekauft, wie es war und soll nun nach zwölf Jahren auf einmal alles umbauen, bloß weil irgendwelche Steine nicht genehmigt sind“, sagt der Rentner aus Schwanheim.

Brief von der Friedhofsverwaltung

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres erhielten sie Post von der Friedhofsverwaltung. In einem Brief wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Grabfassungen, die nicht aus Naturstein, Holz sowie gegossenem oder geschmiedetem Metall bestehen, nicht genehmigt seien. Die Grabbesitzer müssen die Gräber ihrer Angehörigen auf eigene Kosten entsprechend umbauen. „Es ist eine Frechheit, so einen Brief kurz vor Weihnachten zu schicken und damit für so eine Unruhe zu sorgen“, sagt die Schwanheimer Rentnerin.

Harald Hildmann von der Frankfurter Friedhofsverwaltung erklärt, dass die Regelung für die zugelassenen Materialien schon länger besteht: „Vorschriften, welche die zugelassenen Grabmaterialien betreffen, finden sich schon seit vielen Jahren in unserer Friedhofsordnung. Es kann sein, dass im Fall des betroffenen Ehepaares leider jetzt erst aufgefallen ist, dass es sich um nicht ordnungsgemäße Materialverwendung handelt.“

Nach Meinung des Schwanheimer Ehepaares wird aber von der Friedhofsverwaltung nicht einheitlich vorgegangen: „An einigen Stellen hier auf dem Friedhof haben wir gesehen, dass einige andere Grabfassungen nicht aus den vorgegebenen Materialien bestehen. Manche Leute benutzen sogar einfaches Plastik. Warum müssen ausgerechnet wir uns jetzt bemühen und bei den anderen Leuten passiert nichts?“

Individuelle Wünsche nicht möglich

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Die besagte Friedhofsordnung, die vom Magistrat der Stadt beschlossen wurde, gilt für alle Frankfurter Friedhöfe. Hildmann sagt: „Aus kulturellem Aspekt sollen Gräber würdevoll gestaltet werden und jeder sollte seinen Teil dazu beitragen. Die Spannbreite unserer Materialwahl innerhalb der Festlegung der Friedhofsordnung ist groß. Wenn Grabmale abgelaufen sind und entsorgt werden müssen, sind Naturmaterialien besser geeignet und können gegebenenfalls weiter verarbeitet werden. Deshalb können wir nicht jedem individuellen Wunsch nachgehen.“

Zurück bleiben verärgerte Bürger, die für die Friedhofsordnung nur Unverständnis übrig haben. „Wir haben uns mit ein paar Leuten unterhalten, und die finden die ganze Sache unmöglich. Jeder sollte doch das Grab seiner Angehörigen so gestalten können, wie er es möchte“, so das Schwanheimer Ehepaar, das nun das Grab ihres Sohnes umgestalten wird und für die Vorgabe nur Kopfschütteln übrig hat.

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