AOK will Steuer auf Schokolade und Co. und Reklame-Stop fürs Kinder-TV

Achtung Zuckerschock! Wird Süßes jetzt teurer?

Diese Meldung wird Naschkatzen sauer aufstoßen: Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) fordert eine Zuckersteuer und ein Werbeverbot für die „extra Portion Milch“ im Kinder-TV. Die Konditoren-Innung reagiert sauer. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Die Deutschen essen zu viel Zucker. Nach neuer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO ) sollten Erwachsene täglich nicht mehr als 25 Gramm Zucker zu sich nehmen. In Deutschland sind dies laut Ernährungsministerium jedoch 90 Gramm pro Person.

Doch damit soll jetzt Schluss sein! Die AOK hat die Bundesregierung Anfang der Woche zu einer Rückkehr zur Zuckersteuer aufgefordert (siehe Infokasten). Auch die Werbung für Schokoriegel und Co. soll im Kinderprogramm verboten werden.

Das Problem: Die Grenze des Gesunden ist schneller überschritten, als die meisten denken. In einem rund 60 Gramm schweren Schokoriegel sind bereits 27 Gramm Zucker enthalten. 100 Gramm gezuckerte Cornflakes schlagen mit 37 Gramm Zucker zu Buche. Und wer 100 Gramm Gummibärchen nascht – das ist etwa eine halbe Packung – nimmt bereits 45 Gramm Zucker zu sich.

Zweifelsfrei ist: Wer sich mit zu viel Zucker ernährt, riskiert krank zu werden. Folge von zu viel Süßem ist starkes Übergewicht. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit Diabetes, Bluthochdruck und schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten zu bekommen. Von Karies ganz zu schweigen.

Und teuer ist die süße Lebensweise auch. Denn: Krankheiten aufgrund ungesunder Ernährung kosten laut einer Studie der Bundesregierung den Staat jährlich 70 Milliarden.

Aber wie hoch soll die Zuckersteuer überhaupt sein? Konkrete Zahlen nennt die AOK nicht.

Doch so schnell wird die Süß-Steuer wohl sowieso nicht kommen. Vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurde der AOK-Vorstoß nämlich bereits abgeschmettert. Man wolle nicht bevormunden, hieß es Anfang der Woche aus Berlin.

Auch ein Werbeverbot solle es nicht geben.

Andere Länder füllen mit dieser Art der Steuer jedoch die Staatskasse. 2012 wurde in Frankreich die sogenannte „Cola-Steuer“ eingeführt. Die spülte rund 280 Millionen Euro in die Kasse der Grande Nation. Auch in Mexiko muss eine Extra-Steuer für Nahrungsmittel gezahlt werden, wenn sie mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm enthalten.

Dass die Bundesregierung den AOK-Vorstoß so schnell abgebügelt hat, verwundert Mediziner Dr. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): „Es ist unstrittig, dass heute viele Produkte wie Softdrinks hohe Mengen an Zucker enthalten und damit der Gesundheit abträglich sind.“ Deshalb ist die DDG auch für eine Besteuerung von Zucker. „Wie erfolgreich Preissignale sein können, haben auch die Erfahrungen mit den Tabakerhöhungen in Deutschland gezeigt. Erst durch sie konnte der Anteil der rauchenden Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren halbiert werden“, heißt es beim Verband.

Manfred Anderlohr, stellvertretender Obermeister der Konditoren-Innung Rhein-Main kritisiert den AOK-Vorschlag hingegen scharf: „Das ist vollkommener Blödsinn!“ Dann müssten nach AOK-Logik auch Kassenpatienten, die Risikosportarten betreiben, höhere Mitgliedsbeiträge zahlen. Die Forderung sei reine Bevormundung der Bürger. „Das kann nie eine Frage der Steuerpolitik sein“, so Anderlohr. Vielmehr müssten die Menschen über den Zuckergehalt der Lebensmittel besser aufgeklärt werden.

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