Stoppt die Abzocke!

Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale zockt Unternehmen ab

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Rita Stanneck zeigt auf die Homepage der Nepper-Firma, auf die sie hereingefallen ist.
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Region Rhein-Main – Eine Abzock-Welle rollt über das Rhein-Main-Gebiet: Die Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale zieht mit einer miesen Masche Unternehmen, Vereinen und Verbänden das Geld aus der Tasche. Vielen Geschädigten ist das peinlich. Von Christian Reinartz

Dabei müssen sie sich nicht schämen. Denn sogar städtische Einrichtungen, Feuerwehren und große Firmen gehören zu den Opfern der Gewerbeauskunft-Zentrale. Im EXTRA TIPP berichten die Opfer, mit welchen fiesen Methoden sie abgezockt wurden.

Es ist nur ein unscheinbares Schreiben, gedruckt auf grauem Umweltpapier, das Rita Stannek seit Monaten den Schlaf raubt. Absender ist die Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale. Die schrieb Stanneck und ihren Pflegedienst vor gut einem Jahr an und wollte ihre Kontaktdaten für eine Branchenbuchseite im Internet. „Ich hab das einfach zur Seite gelegt und nicht mehr dran gedacht“, sagt Stanneck. „Dann kam irgendwann ein drängendes Erinnerungsschreiben. Ich hab das ausgefüllt und zurückgeschickt“, sagt Stanneck. „Ich dachte, das sei ein amtliches Schreiben.“ Was folgt ist ein Rechnungsterror. Denn knapp zwei Wochen später flattert eine saftige Rechnung ins Haus. Rund 500 Euro soll Stanneck für den Eintrag im Register zahlen. Fürs erste Jahr. Der Vertrag, den sie zurückgeschickt, läuft aber zwei Jahre und verlängert sich automatisch. „Da ist mir ganz heiß geworden und ich habe sofort versucht das zu widerrufen“, erinnert sich die Geschäftsfrau. „Aber obwohl ich noch einen Tag Zeit hatte, wollten die meinen Rücktritt vom Vertrag einfach nicht anerkennen.“ Für ein Einschreiben sei es unterdessen zu spät gewesen.

Stanneck beschließt nicht zu zahlen. Doch dann begann der Mahnungs-Terror. „Erst haben die nur geschrieben, dann auf einmal ein Inkassobüro beauftragt und dann sogar den Gerichtsvollzieher.“ Stanneck nimmt sich einen Anwalt. Plötzlich bietet die Gewerbeauskunft eine Art Vergleich an, reduziert ihre Forderungen. Das habe ich dann aus Angst angenommen.“

Auch Vereine und Verbände wurden abgezockt

So wie Stanneck geht es noch vielen weiteren großen und kleinen Unternehmen aus der Region. Auch Vereine und Verbände sind betroffen. Eine Offenbacher und eine Frankfurter Kindertagesstätte sind auf die Nepper reingefallen, aber auch ein großer Elektro-Fachmarkt aus dem Kreis Offenbach. Die Gewerbeauskunft-Zentrale macht auch vor Kultureinrichtungen nicht halt. Auf der Homepage ist auch ein Frankfurter Museum verzeichnet, das aus Scham nicht genannt werden will. Und auch das Liesel-Christ-Theater. Theaterleitungs-Assistentin Edda Hoestermann: „Wir sind da auch drauf reingefallen, weil das Schreiben so offiziell aussieht. Aber wir haben uns anwaltlich gewehrt und bis jetzt Ruhe.“ Das rät auch Peter Solf, Mitglied der Geschäftsführung beim Deutschen Schutzbund gegen Wirtschaftskriminalität. „Unserer Meinung nach ist das eine Täuschung.“ Wer etwas unterschrieben habe, solle auf keinen Fall zahlen, müsse sich aber darauf einstellen, sehr lange und anhaltend angemahnt zu werden. Zwar offerierte diese Firma dann häufig Vergleichsangebote, doch wer sich weiterhin weigere zu bezahlen, gehe meist als Sieger hervor. „Bevor die Sache dann endgültig vor Gericht geht, machen die einen Rückzieher.“ Doch es lasse sich auch nicht ausschließen, dass die Firma auch mal ein Klageverfahren durchziehe.

Zumindest bei der Feuerwehr der Stadt Dietzenbach war die Taktik erfolgreich. Stadtbrandinspektor Matthias Marx: „Ich bin auch auf diese Täuschung reingefallen.“ Er habe das ans Rechtsamt der Stadt weitergegeben und die hätten es auf einen Prozess angelegt. „Gehört haben wir nie wieder was von der Firma“, sagt Marx.

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

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