Handy oder Schläge!

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Mit Gewalt rauben zwei Jugendliche in dieser nachgestellten Szene ein Handy. Im Jugendjargon heißt das Abrippen.

Region Rhein-Main – Viermal haben am vergangenen Mittwoch in der Offenbacher Innenstadt jugendliche Räuber zugeschlagen: Abripper.  Laut Polizei sind bei etwa einem Drittel aller Raubdelikte Jugendliche die Täter.  Im EXTRA TIPP packt jetzt ein Intensiv-Abripper aus. Von Christian Reinartz

Jetto H. kann nicht mehr zählen, wie oft er zugeschlagen hat. Zugeschlagen, um ein Handy, einen iPod, eine Geldbörse zu rauben. Im Jargon der Jugendlichen heißt das Abrippen. „Das ist ganz normal da draußen“, sagt der braungebrannte 22-Jährige: „Wenn du als Jugendlicher kein Geld hast, rippst du eben andere ab. Viele Jugendliche aus armenFamilien sind nur unterwegs, um andere auszurauben.“

Jetto H. kennt die Szene besser als jeder Sozialarbeiter, besser als jeder Polizist. Er selbst hat jahrelange dazugehört, gilt bei den Behörden als Intensivtäter.

Sein erstes Mal erlebte Jetto mit 15 Jahren. Da ging er mit ein paar Freunden an den Main, um jemanden auszurauben. „Den Erstbesten haben wir dann genommen“, erinnert er sich: „Der hat sofort voll eins auf die Nase bekommen und ist dann vom Fahrrad gefallen.“ Die Jugendlichen nehmen dem Opfer die Geldbörse weg und flüchten. Damals hat Jetto noch ein schlechtes Gewissen. „Er hat mir ein bisschen leid getan“, sagt er: „Aber als ich das Geld in der Hand hatte, war das vergessen.“

Seitdem gehörte das Abrippen zu Jettos Alltag. Er schätzt, dass er im Lauf der vergangenen Jahre mehr als 100.000 Euro geraubt hat. Jetto H. ist jetzt in der Bewährungshilfe und will ein ehrliches Leben anfangen. Doch damals sei er schon stolz auf seine Taten gewesen, die ihm in der Szene einen gewissen Status eingebracht hätten, sagt Jetto.

Abrippen als Volkssport

„Und genau da liegt das Problem“, erklärtFrankfurts Jugend-Bewährungshelfer Marco Erich Wasitz : „Die Jugendlichen verstehen oft gar nicht, was sie anderen damit antun.“ Für sie sei das Abrippen zu einer Art Volkssport geworden. Wasitz: „Viele glauben wirklich, dass das, was sie da machen, eigentlich gar kein Verbrechen ist.“ Auffällig: Oft sind die Täter Jugendliche mit Migrationshintergrund. Rainer Johne, Leiter der städtischen Jugendgerichtshilfe Frankfurt , bestätigt das. Auf seinem Schreibtisch landen alle Fälle, die vor Gericht kommen: „Ein Großteil der Jugendlichen sind Migranten. Das ist eine Tatsache.“ Besonders erschreckend: Etwa ein Drittel aller Raubdelikte in der Region betreffen Jugendliche. Meist seien die Täter nicht älter, heißt es beim Polizeipräsidium Südosthessen. Bis zu 700 Raubdelikte werden dort pro Jahr registriert. Etwa 230 davon betreffen Opfer unter 21 Jahren. Wasitz: „Aber das sind nur die, die das auch melden. Der weitaus größere Teil zeigt das aus Angst vor Repressalien gar nicht erst an.“

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