81-Jährige aus Dreieich lebt acht Monate in Lärm und Dreck

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Es schimmelt und riecht feucht: Erna Valtin aus Dreieich steht in ihrem ehemaligen Badezimmer, das jahrelang nicht saniert wurde.

Dreieich – Die 81-Jährige Erna Valtin wohnt seit 34 Jahren in Dreieich. Sogar während der Kernsanierung des ganzen Hauses blieb sie. Eine Mietminderung bekam sie dafür nicht. Stattdessen muss sie draufzahlen. Von Angelika Pöppel 

Erna Valtin zog 1980 in die Zwei-Zimmer-Wohnung in Dreieich-Sprendlingen. Heute, 34 Jahre später, ist zwar das komplette Haus saniert, nur ihre Mietwohnung nicht. Das Badezimmer riecht feucht, die Fugenmasse bröckelt, Schimmel verteilt sich an den Wänden über die ganze Wohnung. Und dafür soll sie nun 200 Euro mehr, insgesamt 820 Euro zahlen. „Erst hat der Vermieter 1000 Euro verlangt, aber da habe ich nicht mit gemacht. Nicht für diese alte Bude“, sagt Erna Valtin. Begründung vom Vermieter: Von der Sanierung des Hauses profitiert auch Valtins Wohnung. Gegenüber dem EXTRA TIPP wollte er aber keine Stellung beziehen.

Warum ihre Wohnung nicht saniert wurde? Die 81-Jährige erhielt bereits im vergangenen Jahr ein Schreiben des Vermieters, in dem er die Sanierung ankündigte. „Ich habe direkt verstanden, dass es eine indirekte Aufforderung war, auszuziehen“, sagt Valtin. Im Laufe eines Jahres zogen alle Mieter aus, bis auf Erna Valtin. „Ich wollte unbedingt in Dreieich bleiben und konnte einfach keine passende Wohnung finden“, erklärt sie. Im Juni diesen Jahres rückten die Bauarbeiter mit schweren Geräten an. Das Haus wurde rund acht Monate lang saniert. Und Valtin lebte mittendrin: „Es war laut und staubig.“ Eine Entschädigung bekam sie nicht.

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Erst vor zwei Monaten erhielt sie endlich die Zusage für eine passende Wohnung in Dreieich und kündigte das bestehende Mietverhältnis. Rechtens wird die Kündigung erst nach drei Monaten. Und deshalb fordert der Vermieter für Dezember, Januar und Februar noch 820 Euro Miete. „Das sehe ich überhaupt nicht ein“, sagt Valtin, die die Zahlung verweigert und hinzufügt: „Ich kann mir eine doppelte Miete von meiner Rente gar nicht leisten.“ Die Rentnerin fühlt sich betrogen und ausgenommen. Doch rechtlich darf der Vermieter die Miete einfordern. Und: „Eine Mietminderung wegen der erheblichen Beeinträchtigung der Sanierung von über 20 Prozent hätte sie dem Vermieter ankündigen müssen, danach ist es schwierig“, sagt Rolf Janßen vom Mieterschutzverein in Frankfurt. Doch wegen des Schimmels in der Wohnung könne Frau Valtin auch jetzt noch eine Mietminderung einfordern und somit der vollen Zahlung der Miete in den nächsten drei Monaten entgehen. Janßen: „Moralisch ist es möglich, dagegen vorzugehen und Gespräche zu führen, aber juristisch wird es schwierig.“

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