59-Jährige erst überfallen, dann vom Schlüsseldienst abgezockt

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59-Jährige erst überfallen, dann vom Schlüsseldienst abgezockt

Region Rhein-Main – Den 30. Januar wird Elke L. in sehr schlechter Erinnerung behalten. Erst wird die 59-Jährige auf offener Straße Opfer eines Raubüberfalls, dann nutzt ein Schlüsseldienst ihre Hilflosigkeit aus. Von Norman Körtge

Hans-Joachim Schmekies

Elke L. ist Samstagabend in Darmstadt unterwegs. In der Nähe des Staatstheater entreißt der 59-Jährigen ein Unbekannter die graue Handtasche. Die Polizei ist schnell zur Stelle. Den Täter kann sie aber nicht fassen. In der Handtasche befinden sich neben dem Haustürschlüssel auch das Portemonnaie mit ihrem Ausweis. Der Täter kann also ohne Probleme in ihre Wohnung gelangen.
„Da hat es meine allein stehende Mutter natürlich mit der Angst zu tun bekommen“, berichtet ihr Sohn Christian. Deshalb bat sie die Polizei, einen Schlüsseldienst anzurufen, damit ihr Haustürschloss ausgewechselt wird. So kam die FirmaA!A.B.O.S.S. zu dem Auftrag. Zirka 200 Euro werde das Kosten, war die telefonische Auskunft.
Doch als der Monteur den Zylinder ausgetauscht hat, stehen 370 Euro und 65 Cent auf der Rechnung – bar zu bezahlen. Ein Wucherpreis, meint nicht nur Sohn Christian. Um die 160 Euro hätte beispielsweise Hans-Joachim Schmekies, Inhaber der Offenbacher Schlüsselzentrale, unter vergleichbaren Umständen an einem Samstagabend verlangt.

Vorsicht bei Preisangaben per Telefon

Andre Schmitz von der Firma A!A.B.O.S.S., die ihren Sitz in Bremen hat, versucht gegenüber dem EXTRA TIPP zu erklären, wie es zu der enormen preislichen Unterschied gekommen ist. Zum einen gibt es für die Fahrzeit und die Arbeitszeit am Wochenende einen Zuschlag von jeweils 100 Prozent. Außerdem könnten die Mitarbeiter des Callcenters die Lage gar nicht genau einschätzen. „Erst der Monteur vor Ort kann die Situation beurteilen“, meint Schmitz. Sei es etwa komplizierter als am Telefon beschrieben, könnten auch die Kosten steigen. „So ein Quatsch“, sagt Christian L. Die Tür war ja offen. Es musste wirklich nur der Zylinder ausgetauscht werden.

Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen rät, in solchen Fällen immer erst einmal Ruhe zu bewahren. Bei den Telefonaten und der Arbeit sollte man versuchen, einen Zeugen dabei zu haben. „Wie bei allen Handwerkerleistungen ist es völlig normal, die Rechnung erst einmal in Ruhe prüfen zu können“, erklärt Bitter. Zwar könne die Zahlung eines Teilbetrages sofort verlangt werden, aber nicht die ganze Summe. Wenn der Monteur deshalb anfängt zu drohen, sollte der Kunde die Polizei rufen. Es könnte dann ein Fall von Nötigung sein, meint Bitter.

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