Gleichberechtigung adé: Wer darf vorne sitzen?

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Vorne oder hinten? Diese Frage stellt sich beim Twizy.

Region Rhein-Main – Wo immer man mit dem kleinen Elektro-City-Cruiser unterwegs ist – Aufmerksamkeit ist garantiert. Interessierte Blicke, ein abschätziges Lächeln, Zurufe – all dies sind Erfahrungen eines jeden Renault-Twizy-Fahrers. Von Fabienne Seibel und Norman Körtge

Schon direkt bevor es losgeht stellt sich für Fahrer und Beifahrer die Frage: Wo soll ich einsteigen? Schließlich ist dies von beiden Seiten möglich. Zwei Sitze sind hintereinander angeordnet, wobei der vordere sicherlich die günstigere Wahl ist – Leute mit Platzangst oder langen Beinen setzen sich besser hinter das Steuer.

Der Mann: „Wow, der zieht ja richtig“, denke ich, nach dem wir von der Renault-Filiale auf die Hanauer Landstraße gebogen sind und ich aufs Gaspedal trete. Doch ein wenig täuscht der Geschwindigkeitsrausch beim Blick auf das Display. 41 Stundenkilometer zeigt es an. Mein Gefühl sagt locker 50 Sachen. Die fehlenden Türen sorgen für die Irritation. Richtig Spaß macht es mit dem Twizy durch kleinere Straßen zu düsen oder zum Fechenheimer Mainufer zu fahren. Nahezu lautlos. Und deshalb gibt es auch die spezielle Fußgängerhupe – ein fiependes Geräusch – um Spaziergänger auf sich aufmerksam zu machen. Wie mit einer Fahrradklingel. Einer Mutprobe gleicht der großstädtische Verkehr. Einmal durch den Ratswegkreisel mit dem Twizy. Der Pulsschlag erhöht sich, die Hände werden schwitzig. Ich empfinde mich ein wenig schutzlos zwischen den Brummis und den PS-strotzenden SUVs. Aber es funktioniert.

Die Frau: Trotz meiner langen Beine nehme ich zuerst auf dem Beifahrersitz Platz – ein Fehler, wie sich herausstellt. Eingeengt, mit geducktem Kopf, startet die wilde Fahrt. Wohin es geht, lässt sich von hinten nur schwer erkennen. Schon nach kurzer Zeit kribbeln die angezogenen Beine. Auf unebener Straße werde ich durchgeschüttelt wie in einer Achterbahn. Ganz wohl fühle ich mich hinten nicht – ich will das kleine Spaßmobil selbst durch die Straßen jagen!

Dann endlich – Fahrerwechsel. Einmal recken und strecken und weiter gehts. Bereits nach ein paar Metern hält ein LKW neben uns. Der mitleidige Blick des Fahrers trifft mich – dem zeig ich‘s! Schnell wie ein Go-Kart legen wir uns in die Kurve, stets den frischen Wind um die Nase. Ich schlängele mich durch den Straßenverkehr, die staunenden Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer und der schrille Ton der Hupe sorgen gleich für gute Laune.

Der Mann: Hinten sitzen ist im Twizy ganz schön doof. Eingeschränkte Sicht und die Ängste, wenn ein Lastwagen zu nahe kommt, sind die gleichen wie vorne. Platzmangel habe ich hinter meiner Kollegin nicht. Viel schlimmer: Da es keine Ablageräume oder -fächer gibt, werde ich zum Handtaschenhalter degradiert.

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