EXTRA TIPP-Spielecheck

Das psychologische Adventure „The Town of Light“ im Test

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Die Pflegerinnen der „Ospedale Psichiatrico“ gehen mit den Patienten alles andere als zimperlich um. 

Festgeschnallt auf der Liege. Orientierungslos. Hilflos. Ausgeliefert. Die Elektroden an ihren Schläfen nimmt Renée gerade noch wahr. Dann legt der Arzt auch schon den Schalter um. Strom jagt durch ihren geschundenen Körper bis alles vor ihren Augen zu einer weißen Masse verschwimmt.

Was nach fast unmenschlichen Behandlungsmethoden klingt, war bis vor wenigen Jahrzehnten noch in vielen psychiatrischen Kliniken Alltag. Wired Productions und LKA.it greifen wahre Begebenheiten auf und lassen sie in ihrem First-Person-Adventure „The Town of Light“ für sich sprechen statt auf plumpe Horroreffekte zu setzen. Das funktioniert wunderbar – aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Raum für Raum haben die Entwickler dafür die italienische Psychiatrie „Ospedale Psichiatrico di Volterra“ detailgetreu nachgebaut. Der Spieler erkundet die verlassene Klinik Jahre nach ihrer Schließung. In der Ego-Perspektive steuert er Renée durch die heruntergekommene Anlage. Die Frau, die von diesem Ort sagt: „Dort drin habe ich aufgehört zu Leben.“

Als junges Mädchen litt Renée an Schizophrenie. Wie in den meisten Kliniken der damaligen Zeit wurden Patienten in Volterra aber weniger erfolgreich therapiert als vielmehr einfach nur verwahrt. Durch verschiedene Aktionen und Orte kann der Spieler bei der zurückgekehrten Renée Flashback-Sequenzen in einem fantastischen Comicstil auslösen, die mehr und mehr die katastrophalen Zustände jener Epoche offenbaren.

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Anfangs vermutet man als Spieler noch hinter jeder der verfallenen Türen angriffslustige Monster und Geister. „The Town of Light“ begeht allerdings nicht den Fehler sich für solch unpassende und billige Schockeffekte herzugeben. Vergleichsweise unaufgeregt liegt die Konzentration auf Renée. Ihre psychische Leidensgeschichte gepaart mit Vernachlässigung, körperlichem und seelischem Missbrauch entwickelt dabei eine Wucht, die den Spieler bis ins Mark trifft. Klinikmitarbeiter zwischen Überforderung und Sadismus, verzweifelte Angehörige und heute längst überholte Behandlungsmethoden werfen Fragen nach dem wahren Wahnsinn auf und tragen zusätzlich zur mehr als bedrückenden Atmosphäre bei.

Abzüge fürs Gameplay

Mit der Zeit zerren allerdings auch die teils quälend langsame Steuerung und die immer gleichen Aufgaben an den Nerven. Grafikfehler tun ihr übriges. Wenn das Spiel nach nur wenigen Stunden vergleichsweise schnell an einem von mehreren möglichen Enden angelangt ist, stellt sich beim Spieler deshalb gleich aus verschiedenen Gründen Erleichterung ein.

„The Town of Light“ ist ein Spiel mit vielen Höhen und Tiefen, das ungeschönte Einblicke in ein dunkles Kapitel der Medizingeschichte bietet. Wer es durchspielt, kann sich sicher sein, dass Renées bewegende Geschichte ihn auch danach noch lange beschäftigen wird. skk

EXTRA TIPP-Wertung: 7/10

„The Town of Light“ ist für PS4, Xbox One und PC erhältlich

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