Taliban: Selbstmordanschlag

Tote bei Explosion auf US-Stützpunkt

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Afghanische Sicherheitskräfte am Freitag nach dem Angriff auf das deutsche Konsulat in Masar-i-Scharif. Nun gab es Explosionen auf dem US-Stützpunkt Bagram. 

Kabul - Erst das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif, jetzt der US-Stützpunkt in Bagram - Afghanistan kommt nicht zur Ruhe. Wieder gibt es Tote und Verletzte.

Bei einem Taliban-Anschlag auf den größten US-Stützpunkt in Afghanistan sind vier US-Bürger getötet wurden. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Ashton Carter wurden bei dem Anschlag am Samstag zudem 16 US-Soldaten und ein polnischer Soldat verletzt. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich demnach auf der Luftwaffenbasis Bagram in der Provinz Parwan bei Kabul in die Luft.

Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban, Sabihullah Mudschahid, erklärte, durch den Selbstmordanschlag seien den "US-Besatzern" "schwere Verluste" zugefügt worden. Ein Sprecher des Provinzgouverneurs sagte, bei dem Attentäter habe es sich um einen afghanischen Angestellten des Stützpunkts gehandelt. Er habe sich in der Nähe einer Kantine in die Luft gesprengt.

US-Außenminister John Kerry verurteilte am Sonntag den "abscheulichen und feigen" Selbstmordanschlag. Zugleich bekräftigte er die Fortsetzung des Afghanistaneinsatzes der USA. US-Verteidigungsminister Carter sagte in Washington, der "Schutz unserer Soldaten" sei für die US-Regierung "weiterhin eine Priorität in Afghanistan". Das Attentat werde die USA nicht von ihrem Auftrag abhalten, "Afghanistan bei der Absicherung seiner Zukunft zu helfen".

Die schwere Explosion erschütterte den stark befestigten Stützpunkt im Morgengrauen. Die Erschütterungen seien in der gesamten Umgebung zu spüren gewesen, sagte der Verwaltungschef des Bezirks Bagram, Abdul Schakur Kudussi. Der Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Nicholson, sprach den Angehörigen der Opfer sein "tiefstes Beileid" aus. Die Verletzten erhielten die "bestmögliche Versorgung".

Die USA haben noch rund 10.000 US-Soldaten in Afghanistan. Die meisten von ihnen sind auf dem Stützpunkt Bagram stationiert, der einst mit 20.000 Soldaten eine kleine Stadt bildete. Sicherheitskräfte aus Afghanistan und den USA bewachen den Stützpunkt, abgesichert ist das Gelände zudem durch Wachtürme, Kameras und ein Aufklärungsflugzeug.

Islamistische Taliban-Kämpfer haben Bagram wiederholt attackiert. Bei einem der tödlichsten Angriffe hatte ein Selbstmordattentäter im Dezember 2015 sechs US-Soldaten in der Nähe des Stützpunkts getötet. Vor dem nahenden Winter, wenn die Waffen größtenteils schweigen, greifen die Taliban derzeit überall in Afghanistan an.

Die USA und ihre Verbündeten hatte Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften übergeben. Die verbleibenden Nato-Truppen konzentrierten sich seitdem auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen. Am Nato-Einsatz "Resolute Support" ist auch die Bundeswehr beteiligt.

Rückschläge im Kampf gegen die Taliban ließen zuletzt allerdings Zweifel an der Schlagkraft der afghanischen Armee und Polizei aufkommen. US-Soldaten beteiligen sich daher seit diesem Jahr wieder direkter am Kampf gegen die Taliban.

Erst am Donnerstagabend hatten Taliban-Kämpfer das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif angegriffen. Dabei wurden mindestens sechs Menschen getötet und fast 130 weitere verletzt. Einem Zeitungsbericht zufolge waren auch deutsche Diplomaten in großer Gefahr: Die Explosion zu Beginn des Angriffs sei so heftig gewesen, dass sich die Stahltüren des "sicheren Raumes" für die Konsulats-Mitarbeiter nicht mehr schließen ließen, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Generalkonsul Robert Klinke wurde dem Bericht zufolge von einem Taliban-Kämpfer mit einer Schusswaffe bedroht. Ein Beamter des Bundeskriminalamtes habe den Diplomaten gerettet, indem er ihn zu Boden stieß. Klinke habe sich dann unter einem Schreibtisch versteckt, bis der Schusswechsel vorüber war.

Am frühen Freitagmorgen erschossen Bundeswehrsoldaten am Anschlagsort zwei afghanische Motorradfahrer. Nach Angaben von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatten sie Stoppzeichen und Warnschüsse missachtet.

AFP

Tweet von Jens Stoltenberg

Nato-Pressemitteilung (englisch)

Tweet von U.S. Central Command (englisch)

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