270 Tote bei Kämpfen

Bürgerkrieg im Südsudan: Tausende auf der Flucht

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Zwischen Freitag und Sonntag kamen nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen ums Leben.

Juba/New York - Statt der geplanten Feiern zu fünf Jahren Unabhängigkeit ist der Bürgerkrieg in den Südsudan zurückgekehrt. Tausende Menschen sind auf der Flucht. International wächst die Sorge.

Die Kämpfe zwischen der Armee und Soldaten des Vizepräsidenten und ehemaligen Rebellenführers Riek Machars in Südsudans Hauptstadt Juba dauern an. Bewohner berichteten am Montagmorgen von schweren Gefechten mit Handfeuerwaffen und Artillerie in der Region Jebel.

Ein Sprecher der früheren Rebellen (SPLA-IO), Lul Ruai, bestätigte Kämpfe nahe des Flughafens. Internationale Fluggesellschaften wie Kenyan Airways und Rwandair hatten am Sonntag ihre Flüge nach Juba eingestellt.

Die Kämpfe waren zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ausgebrochen. Zwischen Freitag und Sonntag wurden nach Regierungsangaben in Juba rund 270 Menschen getötet.

„Es hätte Südsudans fünfter Geburtstag sein sollen“, sagte Oxfam-Direktor im Südsudan, Zlatko Gegic. „Ich könnte mir kein schrecklicheres Geschenk vorstellen: mehr Kämpfe, Verlust von Leben, mehr Vertreibung und weniger Hoffnung.“

Präsident Kiir und UN fordern Waffenruhe

Nach dem heftigen Aufflammen des Bürgerkriegs im Südsudan haben Präsident Salva Kiir und die Vereinten Nationen ein sofortiges Ende der Kämpfe zwischen der Armee und Truppen des Vizepräsidenten Riek Machar gefordert.

Kiirs Aufruf gehe an die Generäle in beiden Armeen, sagte Bergbauminister Taban Deng am Sonntag. Die Kämpfe waren zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ausgebrochen. Zwischen Freitag und Sonntag wurden nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen getötet.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gewalt. "Ich bin schockiert und abgestoßen von den schweren Kämpfen, die derzeit in Juba geschehen", erklärte Ban in New York. Am späten Nachmittag kam der UN-Sicherheitsrat für eine dreieinhalbstündige Sondersitzung zum Thema zusammen. Das oberste UN-Gremium rufe die Bürgerkriegsparteien dringend dazu auf, ihre Kämpfe einzustellen, sagte der Vorsitzende Koro Bessho aus Japan danach. Der Rat sei auch bereit, über eine Verstärkung der rund 16.000 Personen umfassenden UN-Mission im Land nachzudenken. "Wir nennen keine Namen, aber die Länder der Region sind dazu aufgerufen, zu helfen."

Die UN-Mission im Südsudan berichtete, zwei ihrer Unterkünfte in der Hauptstadt Juba seien bei den Kämpfen beschädigt worden. "Diese Angriffe gehen weiter als die übliche Verrohung, die wir aus diesem Konflikt kennen", sagte die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, in New York. Berichte über mögliche Opfer wurden nicht kommentiert.

Rund 10.000 Menschen flohen nach Angaben humanitärer Helfer vor den Kämpfen der Regierungstruppen (SPLA) mit den früheren Rebellen (SPLA-IO) des Vizepräsidenten.

Mehrere EU-Politiker, darunter die Außenbeauftragte Federica Mogherini, sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einer "dramatischen Eskalation". Die EU werde sich zusammen mit der internationalen Gemeinschaft und Südsudans Nachbarn dafür einsetzen, dass der Friede wieder hergestellt werde, UN-Einrichtungen vorrangig geschützt würden und den Verantwortlichen für die Gewalt härteste Konsequenzen drohten.

Das Regierungsviertel in Juba war am Wochenende heftig umkämpft. Am Sonntag konzentrierten sich die auch mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragenen Gefechte vor allem auf den Süden der Stadt, wo Vizepräsident Machar seine Residenz hat. Auch am Flughafen Jubas gab es heftige Kämpfe, der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die US-Botschaft sprach von Gefechten "in ganz Juba". Das US-Außenministerium ordnete in der Nacht zum Montag den Abzug aller Mitarbeiter der Botschaft an, deren Dienste nicht unverzichtbar seien.

Die Gefechte dort hatten am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet. Seit Ende 2013 waren in diesem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen.

Der überwiegend christliche Südsudan hatte sich in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom muslimischen Norden erkämpft. Sie trat am 9. Juli 2011 offiziell in Kraft.

dpa

Radio Tamazuj

BBC-Bericht

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