Nach Ausschreitungen

400 Festnahmen in bulgarischem Flüchtlingslager

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Nach den Auschreitungen hat die bulgarische Polizei ihre Präsenz in dem Flüchtlingsaufnahmezentrum bei Harmanli erhöht. Foto: Vassil Donev

Steinwürfe, brennende Autoreifen, Wasserwerfer: Die Bulgaren kannten solche Szenen nur aus Flüchtlingslagern im Ausland. Bis es auch im größten Aufnahmezentrum des Landes zu Ausschreitungen kommt. Hunderte werden festgenommen.

Sofia (dpa) - Bulgariens Polizei hat nach Zusammenstößen mit Flüchtlingen im größten Aufnahmezentrum des Landes 400 Menschen festgenommen.

Die Situation in der Einrichtung nahe der türkischen Grenze sei wieder unter Kontrolle gewesen, sagte Innenministerin Rumjana Batschwarowa im Parlament. Der Aufruhr in dem Zentrum, in dem 3000 Menschen untergebracht sind, hatte am Donnerstag als Protest gegen eine medizinisch begründete Ausgangssperre begonnen. Afghanische Flüchtlinge forderten später, dass die Behörden ihnen die Ausreise nach Serbien ermöglichten, sagte Batschwarowa.

Die Regierung in Sofia sieht die Ausschreitungen in internationalem Kontext: "Wir stellen gleichzeitige Handlungen in (andere Staaten in) Europa und hier fest", sagte der amtierende Ministerpräsident Boiko Borissow vor Ort. Er schloss nicht aus, dass der Aufruhr von außen organisiert sei. Die Migranten hätten Fotos in den sozialen Netzen verbreitet: "Jeder von ihnen hält ein Mobiltelefon." Auch die Chefin der staatlichen Flüchtlingsagentur, Petja Parwanowa, sprach von Koordination aus dem Ausland.

An den Ausschreitungen in dem Zentrum bei Harmanli waren nach amtlichen Angaben vor allem Afghanen beteiligt. Fünf festgenommene Flüchtlinge sollen umgehend ausgewiesen werden, da sie gefährlich für die nationale Sicherheit seien. Ein Flugzeug nach Afghanistan sei bestellt worden, sagte Borissow. Alle, die die öffentliche Ordnung dort verletzt hätten, sollen abgeschoben werden.

Flüchtlinge hätten Steine auf die Polizei geworfen, Autoreifen angezündet, Mülltonnen umgeworfen und Möbel beschädigt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Drei Flüchtlinge hätten amtlichen Angaben zufolge nach den Ausschreitungen medizinische Hilfe ersucht. 24 Polizisten wurden verletzt. Gegen die gewalttätig gewordenen Flüchtlinge soll wegen Vandalismus ermittelt werden.

Borissow warnte die heimischen Nationalisten vor Aufrufen zur Selbstjustiz gegen Flüchtlinge: Die Netzwerke der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beobachteten sehr aufmerksam alles, was auf Facebook und in den Nachrichten stehe, sagte er. "Wo es zu solchen scharfen Zusammenstößen kommt, gibt es immer einen Terrorakt, es werden schlafende Zellen aktiviert", sagte er.

Mit der Ausgangssperre in dem Zentrum hatten die Behörden auf Proteste von Nationalisten reagiert. Die Flüchtlinge dürfen das Zentrum seit Dienstag vorerst nicht verlassen, weil es dort mehr als hundert Krankheitsfälle gibt. Wegen der angespannten Lage schob er einen früher geplanten Besuch in Ungarn auf.

Bulgariens Aufnahmezentren sind voll besetzt. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt rund 13 000 Flüchtlinge registriert.

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