Weltjahresbestzeit gibt Doppel-Olympiasiegerin neue Lockerheit und Zuversicht - "Jetzt verrate ich schon meine Taktik"

Schwimmen: Steffen lässt Kritiker verstummen

+
Britta Steffen nach ihrem Titelgewinn in Wuppertal.

Wuppertal - Wenn es irgendwo einen Buchmacher gibt, bei dem man auf den erneuten Olympiasieg von Britta Steffen wetten kann, dann wird die Quote dort am Freitagnachmittag um 16.15 Uhr rapide gesunken sein.

Update vom 1. August 2016: Schon seit den allerersten Olympischen Spielen 1896 wird bei Olympia geschwommen. Der Schwimmsport gehört also zu Olympia wie Michael Phelps ins Wasser - und genau dieser Phelps feiert dieses Jahr in Rio sein Comeback. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Schwimmsport wissen müssen.

52,00 Sekunden leuchteten auf der Anzeigetafel. Weltjahresbestzeit über 100 Meter Freistil. Steffen hatte in der Wuppertaler Schwimm-Oper eine kleine Gala zelebriert. Und aus dem Fragezeichen hinter ihrem Leistungsvermögen in einem Streich ein Ausrufezeichen gemacht.

Der starke Auftritt bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften hatte zudem Blockaden gelöst und die Zunge gelockert. Also plauderte Steffen, die nach dem Vorlauf noch jegliche Stellungnahme verweigert hatte, munter drauf los. Dass sie im Moment intensiv ein Buch lese, in dem es um die Ausgewogenheit des Körpers gehe. Dass sie sich seit der WM in Shanghai vom Typus her verändert habe, dass sie sich wieder mehr als Schwimmerin fühle, ihr Zustand ganz ordentlich und sie sehr zufrieden sei.

Lehren aus WM-Schmach gezogen

In diesem Augenblick klang das WM-Desaster vom Sommer zwar noch nach, war aber doch weit weg. Gedemütigt fühlte Steffen sich damals, war geflüchtet und abgetaucht. Doch die Doppel-Olympiasiegerin hat ihre Lehren gezogen: Weniger Krafttraining, wieder mehr Übungseinheiten im Wasser. Und sie hat nicht gehadert, sondern umso härter gearbeitet. "Britta hat nach der WM voll durchgezogen. Das zahlt sich aus", sagte Lutz Buschkow, Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). Und ihr Freund Paul Biedermann stellte fest: "Das ist die Britta, wie wir sie alle kennen."

Es schwingt auch eine gehörige Portion Erleichterung mit in dieser Betrachtung und Bestandsaufnahme. Denn Zweifel waren da nach der WM, ob Steffen mit nunmehr 28 Jahren in der Lage ist, noch ganz vorne in der Weltspitze mit zu schwimmen. Die 15-monatige Auszeit nach der WM 2009, dann die Schmach von Shanghai - die Unsicherheit war greifbar. Doch nach dem Auftritt von Wuppertal herrscht wieder Zuversicht.

Buschkow: "Noch Luft nach oben"

Dabei war es noch längst nicht das perfekte Rennen, Steigerungspotenzial ist vorhanden. "Die ganze Vorbereitung ist ja auf Olympia ausgerichtet. Und die letzte Wende habe ich verpatzt. Da habe ich gedacht: Oh, yippieh, ich führe. Deshalb habe ich mich nicht richtig konzentriert", erzählte Steffen frei heraus. Buschkow ergänzte mit einem Schmunzeln: "Natürlich lassen wir uns noch Luft nach oben."

Steffens nächster Titel soll bei der EM vom 8. bis 11. Dezember in Stettin folgen. Doch die Berlinerin denkt weiter voraus. An das "große Ziel", an Olympia im kommenden Jahr in London. "Dort muss die Ausdauer stimmen. Die anderen werden wie vor vier Jahren in Peking loslegen wie die Feuerwehr. Aber wer die letzten zehn Meter durchziehen kann, der hat gewonnen", erklärte Steffen das vermeintliche Erfolgsrezept und fügte hinzu: "Ups, das darf ich eigentlich gar nicht erzählen. Jetzt verrate ich ja schon meine Taktik." Es wirkte, als sei Steffen gar nicht mehr zu bremsen. Sowohl in ihrem Erzählfluss als auch im Wasser.

dapd

Mehr zum Thema

Kommentare