Medaillentraum geplatzt

Schwimm-Star Biedermann geht leer aus

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Paul Biedermann fährt ohne Medaille heim

London - Der Traum vom "perfekten Rennen" und der ersten Olympia-Medaille ist geplatzt: Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann ist in London leer ausgegangen. Am Ende waren die Gegner zu schnell.

Update vom 1. August 2016: Alles, was Sie über Schwimmen bei Olympia in Rio 2016 wissen müssen, lesen Sie hier.

Zwei Tage nach seinem Debakel über 400 m Freistil konnte der 25-Jährige im Finale auf seiner Paradestrecke über die halbe Distanz den Konkurrenten nicht folgen und schlug nur als Fünfter an. Nach 1:45,53 Minuten fehlten dem WM-Dritten sechs Zehntel zu Edelmetall. „Ich frage mich gerade, ob das alles war, was drin war“, sagte der Hallenser ratlos, „aber ich akzeptiere das Ergebnis.“

Gold im mit Spannung erwarteten Endlauf schnappte sich der französische Jungstar Yannick Agnel in Jahresweltbestzeit (1:43, 14), der schon die Freistilstaffel zum Olympiasieg geführt hatte. Weltmeister Ryan Lochte schwamm hinter den zeitgleichen Sun Yang (China) und Park Tae Hwan (Südkorea/beide 1:44,93) überraschend an einer Medaille vorbei.

„Ich denke, das war schön anzuschauen“, sagte Biedermann: „Vor Agnel kann ich nur den Hut ziehen, das war eine fantastische Zeit.“ Ein letztes Ziel hat der WM-Dritte im Aquatics Centre noch: Mit der 4x200-m-Staffel schwimmt er am Dienstag ein weiteres Mal gegen die Stars der Szene, doch die Aussichten auf Edelmetall sind nach den bisherigen Leistungen eher schlecht.

„Das perfekte Rennen und noch ein bisschen mehr“ hatte der Doppel-Weltmeister von 2009 im Olympia-Pool schwimmen wollen. Schon seit Monaten hatte er dem Finale entgegen gefiebert, das von vielen zum Höhepunkt der Schwimm-Wettbewerbe in London hochgejubelt worden war. Allerdings fehlte Superstar Michael Phelps, der sich auf seine anderen Starts konzentrieren wollte. Für Biedermann eine Enttäuschung, denn das Duell mit dem Rekord-Olympiasieger motivierte ihn immer besonders - seit er 2009 dem Amerikaner Weltrekord und WM-Titel geraubt hatte.

Doch auch ohne Phelps war der Endlauf hochkarätig besetzt: 400-m-Olympiasieger Sun Yang, Frankreichs Jungstar Agnel, der Südkoreaner Park, Silbermedaillengewinner von Peking - und natürlich Weltmeister Lochte. Agnel suchte sein Heil in der Flucht und schwamm von Beginn an vorneweg. Biedermann, der von den deutschen Schwimmern auf der Tribüne mit La Ola begrüßt und Sprechchören angefeuert wurde, konnte eine Bahn neben dem 20-Jährigen nur schwer mithalten. Nach 100 m lag er bereits auf Rang fünf, der sonst von der Konkurrenz gefürchtete Schlusspurt blieb aus.

Schneller als bei der WM im vergangenen Jahr hatte Biedermann schwimmen wollen. Die 1:44,88 verfehlte der Hallenser aber um gut sechs Zehntelsekunden. Vor allem an den Wenden hatte er gearbeitet. So sollten gegenüber Lochte und Co. insgesamt sechs Zehntel aufgeholt werden, das war die Rechnung seines Trainers Frank Embacher. „Niemand nimmt sich einen vierten Platz vor“, war Biedermanns Ansage vor den Spielen.

Doch es lief überhaupt nicht so wie geplant. Über 400 m ließ ihn sein Trainer mit einer neuen Taktik experimentieren, Biedermann ging als Vorlauf-13. baden. Auch im Vorlauf über 200 m quälte er sich, erst im Halbfinale deutete er alte Stärke an, als er in persönlicher Jahresbestzeit sogar Lochte hinter sich ließ.

Schon die Monate vorher hatten Fragen aufgeworfen: Bei der DM und der EM blieb Biedermann deutlich über den angestrebten Zeiten, verfehlte sogar die Olympia-Norm über 400 m und geriet trotz dreier EM-Titel ins Grübeln. Die Antworten fand er auch in London nicht.

sid

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