Deutschland droht historisches Debakel

Phelps ist jetzt der Olympia-König!

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Michael Phelps konnte schließlich auch mit Silber um den Hals lachen

London - Während den deutschen Schwimmern um Paul Biedermann ein historisches Debakel droht, macht sich US-Superstar Michael Phelps unsterblich. Zuvor ist er sensationell entthront worden.

Update vom 1. August 2016: Michael Phelps gibt bei Olympia 2016 in Rio sein Comeback. Was Sie außerdem über die Disziplin Schwimmen wissen müssen, lesen Sie hier.

Am Tag als Superstar Michael Phelps erneut olympische Geschichte schrieb, starb für Paul Biedermann auch die letzte Hoffnung auf eine Medaille. 25 Stunden nach seiner Niederlage über 200 m Freistil fehlten dem Weltrekorder mit der viertplatzierten Staffel nur 29 Hundertstel zum dritten Platz, den Deutschen droht nun ein historisches Debakel.

Während Phelps seine Olympia-Medaillen Nummer 18 und 19 aus dem Londoner Becken fischte, steht bei Biedermann und Co. zur Halbzeit im Aquatics Centre weiter die Null. Es könnten die ersten medaillenlosen Spiele seit 80 Jahren werden. Wie vor vier Jahren in Peking kann wohl nur noch Britta Steffen das totale Fiasko verhindern. Die Doppel-Olympiasiegerin geht am Mittwoch als Titelverteidigerin über 100 m an den Start.

„Die Enttäuschung war kurz ganz groß, aber ein vierter Platz bei Olympia ist ganz gut, das kann sich sehen lassen“, sagte Schlussschwimmer Clemens Rapp.

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Biedermann sprang nach den Rückschlägen über seine beiden Weltrekordstrecken als Startschwimmer des Europameister-Quartetts ins Becken. Einen Tag nach seinem fünften Platz über 200 m wechselte er als Dritter, sechs Zehntel langsamer als im Einzelfinale. Der Mainzer Dimitri Colupaev schob sich auf den zweiten Platz vor, der Berliner Tim Wallburger und Clemens Rapp aus Bad Saulgau fielen dann aber zurück. Am Ende schlug der chinesische 400-m-Olympiasieger Sun Yang einen Hauch früher an.

Gold ging an die US-Schwimmer um Rekord-Olympiasieger Phelps, der wieder eine Bestmarke aufstellte: Mit seiner 19. Medaille löste der 27-Jährige die ehemalige sowjetische Kunstturnerin Larissa Latynina als Nummer eins ab. Zuvor hatte er einen weiteren Rekord verfehlt: Über 200 m Schmetterling musste Phelps sich nach 1:53,01 Minuten um vier Hundertstel dem südafrikanischen Kurzbahn-Weltmeister Chad le Clos geschlagen geben. Die Chance, als erster Schwimmer dreimal in Folge Gold auf derselben Strecke zu gewinnen, war vertan.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) verabschiedete sich schon von den offiziellen Zielen für die Spiele in London. „Die Medaillenvorgabe war sehr hoch. Wir haben Schwierigkeiten, in der gleichen Schrittlänge mit den Spitzennationen mitzuhalten“, bilanzierte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow.

Zweimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze sieht die Vereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vor, die nach den Spielen von Peking getroffen wurde. Unerreichbar, wie sich im Aquatics Centre schon nach den ersten vier Tagen herausstellte. Selbst die fünf Bronzemedaillen von der WM in Shanghai im vergangenen Jahr sind praktisch nicht mehr zu wiederholen.

Sollten die deutschen Schwimmer die Ausbeute von Sydney 2000 mit drei Bronzemedaillen nicht erreichen, wäre es das schlechteste Olympia-Abschneiden seit 60 Jahren. 1952 in Helsinki sprang nur ein dritter Platz heraus, ganz ohne Edelmetall blieben sie zuletzt 1932.

Die London-Bilanz zur Halbzeit: Nur vier von insgesamt 20 DSV-Startern schafften es ins Finale, niemand aufs Podest. Gleich zwei Hoffnungsträger blieben über 100 Brust auf der Strecke. Der WM-Dritte Christian vom Lehn aus Wuppertal (2:10,50) und der deutsche Rekordhalter Marco Koch (Darmstadt/2:10,73) schieden als Zwölfter und 13. fast im Gleichschritt aus.

„Ich bin erschrocken, als ich auf die Anzeigetafel geblickt habe“, sagte vom Lehn, der anderthalb Sekunden über seiner Bestzeit blieb: „Ich weiß selbst nicht, wie ich das alles einordnen soll.“ Auch Koch hatte „keine Erklärung, im Training war ich schnell, im Wettkampf nicht. Es ging voll in die Hose.“

Der deutsche Rekordhalter Marco di Carli hatte sich schon am Morgen in 49,03 Sekunden als Vorlauf-18. über 100 m Freistil verabschiedet. „Das war Kacke. Indiskutabel schlecht. Ich hatte eigentlich ein super Gefühl. Scheiße mal wieder“, fluchte der Frankfurter.

Ihren zweiten Olympiasieg sicherte sich die 16-jährige Chinesin Ye Shiwen. Nach ihrem Turbo-Weltrekord über 400 m Lagen legte die Weltmeisterin auf der halben Distanz in 2:07,57 Minuten einen Olympiarekord nach. Eine weitere Goldmedaille für die USA steuerte Staffel-Weltmeisterin Allison Schmitt bei, die über 200 m Freistil mit Olympiarekord in 1:53,61 Minute siegte.

sid

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