"Teamspirit war der Schlüssel"

Nach deutschem EM-Aus: Ex-Torwart Oliver Reck im Interview 

+
Oliver Reck trainiert derzeit die Offenbacher Kickers. 1996 wurde er als dritter Torwart im Kader von Berti Vogts Europameister.

Region Rhein-Main - Reck, Trainer der Offenbacher Kickers, wurde 1996 als dritter Torwart im Kader der Deutschen Nationalmannschaft Europameister. Beinah hätte er im Finale sogar als Feldspieler auflaufen müssen. Von Oliver Haas Oliver

Wie haben Sie damals reagiert, als Berti Vogts vorm Finale mit dem Gedanken spielte, Sie als Feldspieler aufzustellen?

Wir hatten viele Verletzte und durften sogar ein Spieler nachnominieren. Berti Vogts hatte damals sogar schon ein Trikot für mich anfertigen lassen. Also wenn die Not am Mann gewesen wäre und der eine oder andere noch mehr ausgefallen wäre, dann wäre ich bestimmt auch eingesprungen.

Sie hatten ja den Ruf auch ein guter Feldspieler zu sein. Haben Sie trotzdem ein paar Extra-Trainingsrunden absolviert?

Nein, das habe ich nicht gemacht. Aber ich musste ab und zu sowieso mitspielen im Training aufgrund der Personalknappheit. Das war allerdings auch nichts komplett Neues für mich und hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.

Waren Sie sehr froh, dass Sie letztlich im Finale doch nicht als Feldspieler ran mussten?

Das kann man so nicht sagen, dass ich froh gewesen bin. Ich hätte sehr gerne geholfen, wenn es nötig gewesen wäre. Das es dann nicht dazu gekommen ist, war aber sicher besser so. Wir wurden Europameister, hatten vielleicht nicht die besten Spieler, aber einen tollen Zusammenhalt im Team. Schlussendlich war Teamspirit der Schlüssel zum Titel. 

Presse: Nichts geht mehr für den Weltmeister

Erinnern Sie sich an Ihren schönsten Moment bei der Europameisterschaft 1996?

Das war ganz klar das Halbfinale gegen England, das wir im Elfmeterschießen gewonnen haben. Auch wenn es am Ende knapp war, haben wir hochverdient gewonnen, weil wir die bessere Mannschaft war. Die Atmosphäre war damals im Stadion unbeschreiblich.

Der Elferkrimi bei der aktuellen EM gegen Italien hat die Fans mitgerissen. Schaut man sich so ein Drama als Ex-Profi anders an?

Na klar. Vor allem, weil ich den einen oder anderen Protagonisten noch ganz gut kenne. Ich habe Manuel Neuer jahrelang als Trainer auf Schalke begleitet. Kenne Benedikt Höwedes sehr gut. Und dann ist es sowieso nochmal eine ganz andere Situation, wenn man sich so etwas anschaut.

Haben Sie bei den italienischen Schützen als Ex-Torhüter überlegt, in welche Ecke sie springen würden?

Das mache ich immer. Man spekuliert, wo würdest du jetzt hinspringen. Was macht der Spieler, was der Torwart. Da fiebere ich auf jeden Fall mit. Wobei ich glaube, dass das ganz normal ist. Das macht ja jeder Fan zu Hause auch.

Kürzlich gab es Ärger zwischen Oliver Bierhoff und Mehmet Scholl. Können Sie sich erinnern, wie sich Oliver Bierhof und Mehmet Scholl damals bei der EM 96 verstanden haben?

Da gab´s damals keinerlei Probleme. Aber die Sache jetzt muss immer von zwei Seiten sehen. Der Mehmet macht seinen Job bei der ARD, wo er über das Spiel der deutschen Mannschaft sein Statement abgibt, und der Oli Bierhoff ist Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft. Da prallen Welten aufeinander. Da gibt es manchmal Situationen, die der eine so und der andere so sieht. Ich finde das nicht schlimm. Mehmet ist jemand, der immer das offen anspricht, was er sieht und was er denkt. Es ist es ja auch nicht alles falsch, was er sagt. Auf der anderen Seite ist nicht alles richtig. Ich versuche, sowas immer sehr neutral zu bewerten. Es wird alles nicht so heiß gekocht, wie es gegessen wird.

Und was sagen Sie zur Kritik von Scholl, weil Löw vorm Italien-Spiel von Dreier- auf Viererkette umgestellt hatte?

Es ist schwer, wenn man in einer so verantwortlichen Position wie Jogi Löw ist und dann Entscheidungen treffen muss. Der Jogi ist jetzt schon so lange Trainer bei dieser Mannschaft, so dass er sie besser als jeder andere ganz genau einschätzen kann. Er weiß, was für sie in welchem Spiel das Beste ist. Das kann ein Außenstehender gar nicht beurteilen, der die Spieler nicht täglich in den Trainingseinheiten sieht.

Fotos: Public Viewing zum EM-Halbfinale in Bad Homburg

Das könnte Sie auch interessieren: Mätthäus: „Schweini und Poldi müssen aufpassen!"

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare