10,7 Millionen Euro für Modernisierung

Kein Neubau am Bölle: Lilien-Stadion wird nur saniert

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Das Stadion am Böllenfalltor soll modernisiert, der Rang überdacht werden.

Darmstadt - Es wird nun doch keinen Neubau des Merck-Stadions am Böllenfalltor in Darmstadt geben. Stattdessen soll das derzeitige marode Stadion für 10,7 Millionen Euro in fünf wichtigen Bereichen modernisiert werden. Der EXTRA TIPP fasst die Positionen der Beteiligten zusammen. Von Jens Dörr

Oberbürgermeister Partsch gibt nach dem Planungsstopp zu: „Ich hätte es mir anders gewünscht. Wir können uns aber nicht über Recht und Gesetz hinwegsetzen.“ In den vergangenen Monaten hatte die Darmstädter Sportstätten GmbH als städtische Tochter fünf Dutzend Einwände von Privatpersonen und Trägern öffentlicher Belange zum Bebauungsplans bearbeitet. Ergebnis der komplexen juristischen Prüfung: Im Bauleitverfahren konnte der Neubau des Stadions an jetziger Stelle vor allem bei den Themen Parken, Lärmschutz und Zuwegung nicht rechtlich abgesichert werden.

Lilien-Präsident Fritsch wirkt nach den jüngsten Entwicklungen angefressen. Die Modernisierung sei zwar eine „akzeptable Zwischenlösung“. Aber: „Es dürfte allen nach den Erkenntnissen aus dem Bauleitverfahren klar sein, dass der SV Darmstadt 98 mittelfristig nur mit einem neuen modernen Stadion an einem Alternativstandort überlebensfähig sein kann.“

Auch die Fans, der Bund der Steuerzahler Hessen und Hessens CDU-Generalsekretär haben sich in den vergangenen Tagen zu ihren Vorstellungen in Sachen neues Darmstädter Stadion geäußert.

Neubau nicht mehr realistisch

Den Anhängern – zumindest jenen organisierten, die sich über das „Fanbündnis Bölle“ Gehör verschaffen – geht es in erster Linie um den Verbleib am Traditionsstandort Böllenfalltor. Der ist mit den Modernisierungsplänen nun für die nächsten Jahre gesichert. Konfliktpotenzial birgt allerdings die Position des Vereins in Person von Präsident Fritsch, der mittelfristig einen Neubau für zwingend erforderlich hält, damit der SV 98 dauerhaft zumindest in der Zweiten Bundesliga spielen kann. Ein Neubau an jetziger Stelle scheint seit Donnerstag nicht mehr realistisch. In Darmstadt selbst aber gibt es nach bisherigen Untersuchungen keinen geeigneten Standort für eine Arena. Den Bau im nahen Umland, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, kann sich das Fanbündnis nicht vorstellen. Ein Darmstädter Verein müsse sein Zuhause in Darmstadt haben, heißt es.

Als zumindest teilweise gute Nachricht dürfte der Bund der Steuerzahler die Bekanntgabe des Stopps des 35-Millionen-Euro-Neubaus in Darmstadt zur Kenntnis genommen haben. Bereits früh hatte sich der Bund generell gegen die Finanzierung von Profisport-Arenen aus Steuermitteln ausgesprochen. Es sei nicht Aufgabe des Staats, gewinnorientierte Klubs direkt oder indirekt finanziell zu unterstützen. Angesichts leerer Kassen sollte man Prioritäten setzen und sich auf seine Kernaufgaben besinnen. „In Darmstadt hätte man aus finanziellen Desastern wie beim Offenbacher Stadion schon frühzeitig die richtigen Schlüsse ziehen sollen. Der Staat muss sich aus dem schwer vorhersehbaren Profisport weitgehend heraushalten“, sagte Vorsitzender Joachim Papendick.

Zuschuss vom Land verfallen

Verfallen ist unterdessen vorerst der 14-Millionen-Euro-Zuschuss, den das Land Hessen für den Fall eines Neubaus des Stadions an bisheriger Stelle bewilligt hatte. Der Groß-Zimmerner Manfred Pentz, Generalsekretär der Hessen-CDU und bekennender Lilien-Sympathisant: „Grundsätzlich sind solche Zuschüsse objektgebunden.“ Für einen Neubau durch die Stadt an einem Alternativstandort müsste also wohl neu beantragt werden. Man werde jedoch auch einen irgendwann möglichen neuen Prozess in Darmstadt „wohlwollend begleiten“.

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