Horror-Saison mit blauem Auge überstanden

Doch kein Abstieg: Der große Rückblick auf die Eintracht-Saison

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Eines der letzten Bilder von Heribert Bruchhagen als SGE-Boss und wohl das Foto der Saison: Sein Freudenschrei nach der Rettung in Nürnberg.

Frankfurt - Rettung durch ein Tor in der Relegation. Das hatten sich die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht zu Beginn der abgelaufenen Spielzeit ganz anders vorgestellt. Ein Rückblick. Von Oliver Haas

Endlich ist diese Saison zu Ende. Dies dachten sicher viele der Eintracht-Fans, Spieler und Funktionäre nach dem Schlusspfiff im Relegations-Rückspiel in Nürnberg. Der EXTRA TIPP blickt zurück auf die Spielzeit 2015/2016.

Nachdem Ex-Trainer Schaaf genervt das Handtuch geschmissen hatte, wurde überraschend Ex-Trainer Veh zurück geholt. Unterm Strich war das Echo positiv. War es Veh, mit dem die SGE einst aufstieg und später Europapokal-Feste feierte. Mit ihm versprach man sich einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Der Plan schien aufzugehen. Nach der achtbaren knappen Niederlage beim Spitzenteam in Wolfsburg, folgte zwar ein etwas ernüchterndes Remis gegen Augsburg. Dann wurde Vehs Ex-Ex-Club Stuttgart aber auswärts mit 4:1 zerlegt und im nächsten Heimspiel kam es zur besten Saisonleistung und einem 6:2 über den 1.FC Köln.

Alex Meier feierte nach seiner Verletzungspause ein fulminantes Comeback mit drei Toren. Zusammen mit Haris Seferovic und Neuzugang Luc Castaignos, die ebenfalls trafen, wurde Meier als Teil eines magisches Dreiecks gefeiert. Fans und Verantwortliche schielten auf die internationalen Plätze. Diese spielstarke Mannschaft würde mit dem Abstieg in dieser Saison nichts zu tun haben. Dazu entpuppte sich auch Torwart Lukas Hradecky als hervorragender Ersatz für Kevin Trapp.

Abstiegskampf startet früh

In den kommenden Spielen stellte sich heraus, dass die SGE tabellarisch doch eher nach unten als nach oben schauen sollte. Vor allem zu Hause spielte sie schlecht. Kam gegen Borussia Möchengladbach mit 1:5 unter die Räder. Trainer Veh erkannte schnell, dass es „in dieser Saison nur darum geht, drei Mannschaften hinter sich zu lassen“.

Nach dem Auswärtssieg bei Hannover und dem 0:0 im Heimspiel gegen Bayern, als die SGE dem Rekordmeister als erste Mannschaft überhaupt einen Punkt abnahm, keimte Hoffnung auf. Aber vor allem die schmerzhaften Derbypleiten in Mainz und gegen Darmstadt ebneten den Weg in den Abstiegsstrudel immer mehr. Die Kritik an Trainer Veh wurde heftiger. Womöglich wäre er entlassen worden, wenn nicht am letzten Hinrundenspieltag gegen Werder Bremen gewonnen worden wäre.

Absturz in der Rückrunde

Auch die Rückrunde begann zunächst vielversprechend. Im ersten Heimspiel bog die SGE einen 0:2-Rückstand in einen umjubelten 3:2 Sieg um. Hätte Wolfsburg allerdings in der ersten Halbzeit seine Chancen genutzt, dann wäre es zum Debakel für die Eintracht geworden. Der daraufolgende Punkt bei den Augsburgern ließ die SGE Fans auf eine gute Rückrunde hoffen. Aber die Eintracht konnte anschließend acht Spiele nicht gewinnen. 

Besonders bitter: In den Heimspielen gegen Hamburg, Schalke und Ingolstadt bekam die Eintracht gegen schlechte Gegner die Punkte auf dem Silbertablett serviert und musste nur zugreifen. Sie tat es nicht und verschenkte Punkte durch fahrlässige Chancenverwertung sowie Fehler und Formschwächen von Leistungsträgern wie Aigner, Hasebe oder Seferovic. Dies kostete Veh schließlich den Job.

Frankfurt setzt auf Trainer Kovac - "Kind der Liga"

Wiederauferstehung mit Kovac

Das Brüderpaar Niko und Robert Kovac übernahm. Schnell war klar: Auch die Kroaten können nicht zaubern. Zwar wurde das wichtige Spiel gegen Hannover mit Hängen und Würgen gewonnen, aber nach den wieder leicht vermeidbaren Niederlagen gegen Hoffenheim und gegen Leverkusen, schienen die Zeichen auf Abstieg zu stehen. Niko Kovac gelang es zwar, der Abwehr mehr Stabilität zu geben, aber spielerisch und offensiv präsentierte sich die SGE nach wie vor wie ein Absteiger. Vier Punkte waren es schon zum Relegationsplatz. Dann geschah etwas, das wohl als erneutes Eintracht-Wunder in die Historie des Vereins eingehen wird. 

Nachdem die Eintracht in der gesamten Saison lediglich sechs Siege verbuchen konnte, schaffte sie drei Siege am Stück. Gepaart war das Wunder allerdings auch mit viel Glück: Gegen Mainz gewann sie durch zwei äußerst kuriose Treffer und in Darmstadt wäre der Abstieg besiegelt gewesen, wenn Lilien-Stürmer Sandro Wagner den Elfer zum 2:0 verwandelt hätte. Und im Spiel beim 1:0-Sensations-Sieg gegen Borussia Dortmund bekam die Eintracht ein „Schiedsrichtergeschenk“ durch ein aberkanntes Tor von Mats Hummels.

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Plötzlich stand die Eintracht vor dem letzten Spiel sogar über dem Strich. Ein Punkt hätte in Bremen gereicht. Doch Kovac verzockte sich. Die Taktik, sich den Punkt durch ein 0:0 zu ergaunern, ging schief. Nachsitzen in der Relegation war angesagt. In den Spielen gegen den völlig harmlosen Club aus Nürnberg zeigte sich die SGE als das klar bessere Team. Allerdings blieb auch gegen den FCN das Herausspielen von Chancen Mangelware. Gegen viele andere Zweitligisten wäre die Eintracht wahrscheinlich abgestiegen. Doch Seferovic traf und die SGE kam mit blauem Auge aus der Horror-Saison davon.

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