Vom Kader bis zur Vereinssatzung

SV Darmstadt 98 plant nach Klassenerhalt völlig neu

+
Bei den Lilien tut sich was. 

Darmstadt – Dass sich der SV Darmstadt 98 nach dem erstmaligen Klassenerhalt in der 1. Fußball-Bundesliga (1978/79 und 81/82 war man jeweils direkt wieder abgestiegen) zum dauerhaften „Bewohner“ des Oberhauses mausern könnte, glauben sie selbst am Böllenfalltor nicht.

Trainer und Sportdirektor Dirk Schuster sowie Präsident Rüdiger Fritsch sind Realisten genug, den Status als dauerhaften Underdog zu betonen  und als mittelfristiges Ziel stattdessen die Etablierung in Liga eins oder zwei auszugeben. Der SC Paderborn, vor einem Jahr noch in Liga eins, erfuhr vergangenen Sonntag mit dem Durchrutschen in Liga drei, wie schnell das Kapitel Bundesliga (vielleicht für viele Jahre) beendet sein kann. Auch nach dem geschafften Ligaverbleib drohen dem SV 98 in den kommenden Wochen und Monaten Baustellen – nicht nur am Stadion, dessen Neubau an selber Stelle noch in diesem Jahr beginnen soll.

Kaderplanung: Christian Mathenia (für 800.000 Euro zum Hamburger SV), Patrick Platins, Milan Ivana, Marco Sailer, Sandro Wagner (alle Ziel unbekannt) und Konstantin Rausch (wohl zum 1. FC Köln) werden den Verein verlassen. Wagner, den mehrere deutsche Erstligisten sowie englische Erst- und Zweitligisten umwerben, dürfte dem SV 98 einen Transfererlös zwischen vier und acht Millionen einbringen. Die Vertragsverlängerungen von Tobias Kempe und Lukasz Zaluska, der nach dem Mathenia- und Platins-Weggang einziger verbliebener Keeper wäre, könnte in Kürze klappen. Die weitere Verpflichtung des ausgeliehenen Luca Caldirola (zurück zu Werder Bremen) ist weniger wahrscheinlich als die weitere Leihe von Felix Platte. 

Neue Millionen für neue Spieler

Zudem muss der SV 98 vier neue „Local Player“ benennen, da die Verträge der bisherigen (Ali Kazimi, Nick Volk, Noel Wembacher, Jan Finger) allesamt bis Ende Juni 2016 befristet waren. Alle anderen Spieler haben noch Verträge und dürften gehalten werden, obgleich gerade Aytac Sulu, Marcel Heller und Slobodan Rajkovic andernorts Begehrlichkeiten geweckt haben. Geht auch wie zu erwarten Caldirola, bräuchte der SV 98 für die kommenden Runde mindestens einen neuen Innenverteidiger, einen Linksverteidiger, einen Spieler fürs Mittelfeld außen, einen offensiv ausgerichteten zentralen Mittelfeldspieler, einen körperlich starken Stürmer sowie zwei Torhüter. Immerhin: Der fürs spielende Personal zur Verfügung stehende Etat soll um rund fünf Millionen auf 20 Millionen aufgestockt werden.

Gewinner und Verlierer der 53. Fußball-Bundesligasaison

Trainer-Team und Präsidium: Die Trainer (Chef-Coach Dirk Schuster, Co-Trainer Sascha Franz, Torwart-Trainer Dimo Wache und Fitnesstrainer Frank Steinmetz) haben allesamt einen Vertrag bis 2018. Schuster will auch kommende Saison als Trainer und Sportdirektor in Personalunion an Bord bleiben, hält damit auch das gesamte Team zusammen und in Darmstadt. Noch stärker eingebunden wird der jüngst fest angestellte Ex-Bundesliga-Spieler und -Trainer Holger Fach, der im Scouting und in der Kaderplanung mithilft. Präsident Rüdiger Fritsch will im Sommer entscheiden, ob er im Herbst erneut für zwei Jahre kandidiert. Will der Wirtschaftsjurist das nicht, muss ein Nachfolger her. Noch hat sich niemand in Stellung gebracht.

Keine GmbH, aber trotzdem ändert sich einiges

Ausgliederung des Profi-Fußballs: Überraschend teilte Präsident Rüdiger Fritsch vor einigen Tagen mit, dass es in diesem Jahr wohl zu keiner Ausgliederung – etwa in eine vom Verein größtenteils losgelöste GmbH – kommen werde. Trotzdem bleibt nicht alles wie bislang: Die Satzung des Vereins soll dahingehend überarbeitet werden, dass der Haftungsschutz für die Präsidiumsmitglieder verbessert wird. „Die Führung eines Profi-Sportvereins im Millionenbetrieb Fußball kann unmöglich weiterhin gänzlich im Ehrenamt geleistet werden“, betonte Fritsch. Für seine Präsidiumskollegen und ihn ist seit der Mitgliederversammlung im vergangenen Herbst mittlerweile allerdings zumindest eine Aufwandsentschädigung von bis zu 4000 Euro monatlich möglich. Den Beschluss über die neue Satzung sollen die Mitglieder voraussichtlich Ende Juni in einer außerordentlichen Versammlung fällen.

Stadionneubau: Hier gilt nach wie vor das Ziel der Eröffnung einer an selber Stelle neu gebauten, voll überdachten Arena mit etwas weniger als 20.000 Plätzen zum Saisonstart 2018/19. Derzeit verzögert sich das Projekt aber erneut, stockt der Start der Ausschreibung. Probleme macht der Stadt Darmstadt als Bauträgerin, die vom SV 98 als Hauptmieter lediglich beraten wird, unter anderem der Nachweis genügender stadionnaher Parkplätze. jd

Das könnte Sie auch interessieren: Tanz auf dem Kassenhäuschen: SV Darmstadt feiert Wunder

Fotos: SV Darmstadt 98 startet ins Training

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare