Sechs Gründe, warum Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft ausgeschieden ist

Das Glück war aufgebraucht

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In der ganzen Region fieberten die Fans vergeblich am Donnerstag mit der deutschen Elf. So auch tausende in Dreieichenhain. Viele Bilder davon sind online auf www.extratipp.com. Foto: oh

Region Rhein-Main - Jetzt beginnt die Aufarbeitung. Mit welchen Spielern geht die deutsche Nationalmannschaft in die Zukunft, mit welchem Trainer? Und vor allem: Wer oder was war verantwortlich für das Halbfinal-Aus bei der EM? Der EXTRA TIPP liefert Antworten. Von Axel Grysczyk

1. Die fehlende Durchschlagskraft: Gegen die Ukraine ein Tor nach einem Standard und ein Konter, ein treffer gegen Nordirland, kein Tor gegen Polen und Frankreich und wenige Chancen gegen Italien – das Spiel in der Offensive gehörte bei dieser EM nicht zu den deutschen Stärken. Einzige Ausnahme: Der 3:0-Achtelfinal-Sieg gegen die Slowakei. Den Deutschen fehlte die Offensiv-Präsenz, der Drang in den Strafraum, die Gefahr im letzten Drittel des Spielfeldes – auch, weil sie dafür nur wenige ausgebildete Spieler haben. Der einzige Akteur mit diesen Fähigkeiten ist momentan Mario Gomez.

2. Das Thomas-Müller-Problem: Auch beim WM-Sieg 2014 hat der Stoßstürmer Miroslav Klose nur zwei Treffer erzielt. Aber damals gab es einen Thomas Müller, der fünf Treffer erzielte. Hätte er nur ein, zwei Treffer beisteuern können, wäre die deutsche Offensive schon stärker und vor allem unberechenbarer gewesen.

Zu viele Verletzte auf dem Spielfeld

3. Die Verletzten: Irgendwann wird’s zu viel: Vor dem Turnier verletzte sich mal wieder Marco Reus und Ilkay Gündogan. Dazu der Ausfall von Antonio Rüdiger kurz vor dem Turnier. Auch Sami Khedira, Mats Hummels und Bastian Schweinsteiger kamen nicht fit zum Turnier. Khedira und Gomez verletzten sich, Hummels auch noch gesperrt – das alles kann auch ein Weltmeister-Team nicht kompensieren. Erst recht, als im Halbfinale auch noch Jerome Boateng ausfiel.

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4. Das Italien-Spiel: Man hatte das Gefühl, die Konzentrationsfähigkeit hatte durch das Drama gegen Italien gelitten, die mentale Frische war nicht mehr da. Dazu die Belastung über 120 Minuten und Elfmeterschießen. Und das ganze Glück, das noch gegen die Italiener da war, fehlte im Spiel gegen Frankreich.

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5. Der Modus: Die Spielpaarungen kamen Deutschland bei der EM nicht zugute. Gegen einen Gegner wie Italien muss ein Innenverteidiger auch mal Foul spielen und kassiert Gelb. Die Franzosen hatten es bei ihren K.O-Spielen gegen Irland und Island leichter. Zudem kann man sich als Tabellendritter in der Vorrunde – siehe Portugal – ins Finale spielen. Das bedeutet: Drei Remis reichen. Das wird auch in Zukunft dazu führen, dass sich schwächere Teams hinten rein stellen und nur noch mauern. Damit wird es für Teams wie Deutschland, die auch Rhythmus brauchen, schwerer.

Frankreich hatte Glück 

6. Frankreich war dran: Die Franzosen hatten so oft Pech gegen deutsche Mannschaften, diesmal hatten sie das entsprechende Glück. Wichtig ist festzuhalten: Frankreich war nicht besser, Deutschland war sogar feldüberlegen. Aber das dumme Handspiel von Bastian Schweinsteiger kurz vor der Halbzeit, das zum Elfmeter und zum 1:0 führte, brachte das Spiel in Schieflage. Mit einem Hauch mehr Konzentration, ein bisschen mehr Glück und vor allem einem Treffer vorne, wäre viel mehr möglich gewesen.

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