Hans Jürgen Kleinlein und Claus Schlatter sind Konflikttrainer

Zoff auf dem Rasen? Fußball-Mediatoren sollen schlichten

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Hans Jürgen Kleinlein (links) und Claus Schlatter sind Konflikttrainer für den Amateurbereich

Region Rhein-Main –Beleidigungen, Schlägereien, Spielabbrüche: Im Amateurfußball geht´s oft respektlos zu. Spielsperren und hohe Geldstrafen folgen. Sogenannte Fußball-Mediatoren und Konflikttrainer sollen in Hessen die Hitzköpfe runter kühlen. Von Oliver Haas

Ein hessischer Kreisliga-Spieler wird mit Rot vom Platz gestellt. Dann wird´s hässlich. Während er vom Platz trottet, wird er vom Ersatztorwart des Gegners provoziert. Der hinausgestellte Spieler beleidigt ihn in derbster Fäkalsprache. Es folgt eine Massenschlägerei zwischen den Mannschaften, Betreuerstab und Fans. Spielabbruch. Das Sportgericht brummt dem Heimverein 1200 Euro Strafe und seinem Spieler 20 Spiele Sperre auf. Der Gastspieler wird sogar für ein halbes Jahr gesperrt.

Mediation nur möglich, wenn beide Parteien einverstanden sind

Es sind Fälle wie diese, in denen die beiden Konflikttrainer und Fußball-Mediatoren Hans Jürgen Kleinlein aus Mörfelden-Walldorf und Claus Schlatter aus Seligenstadt aktiv werden. Um den beschriebenen Fall hatte sich Kleinlein gekümmert. „Die Mediation hat damals sehr lange gedauert. Acht Termine mit Konflikttraining und Situationsanalyse waren nötig, bis sich die beiden Vereine angenähert haben. Und es schien auch zu funktionieren, am Ende haben die Vorstände beider Vereine sogar ein Bier an der Theke getrunken.“ 

Massenschlägerei nach Testspiel von Eintracht Frankfurt

Eine Mediation, also Streitschlichtung durch einen Neutralen, ist nur dann möglich, wenn beide Parteien damit einverstanden sind, sonst bleibt nur das Konflikttraining. Sein Kollege Claus Schlatter hatte vor einiger Zeit einen Fall, in dem ein Schiedsrichter nach dem Spiel vor einer Mannschaft in seine Kabine flüchtete. Dort hatte er Todesangst: „Die Spieler haben ihm eine Flüssigkeit unter die Tür gespritzt und es war zunächst unklar, was das ist. Das ging natürlich eindeutig zu weit. Das Sportgericht verhängte zwölf Punkte Abzug. Das Team damals war Tabellenführer und das wäre natürlich sportlich eine Katastrophe gewesen.“

Auch Trainer müssen manchmal zum Konflikt-Coach

Doch der Richter gab den Jungs eine allerletzte Chance, damit sie daraus lernen und die Strafe erheblich reduziert wird. In diesen Fällen wird viel mit Rollenspielen gearbeitet. „Dadurch sollen die Spieler sich in die Rolle des Schiedsrichters hineinversetzten. Sie sehen, wie es ist, wenn plötzlich fünf Menschen auf einen zustürmen und anfassen. Die meisten sind dann entsetzt und denken nach.“ Im vorliegenden Fall hätten sich die Spieler aufrichtig beim Schiedsrichter entschuldigt und erwirkten so eine Reduzierung ihrer Strafe um einige Punkte.

Aber auch Trainer können betroffen sein. Kleinlein erzählt von einem Coach, der sich so sehr über seinen Torwart ärgerte, dass er seine Bank voller Wut hinter sich geschmissen hatte. Dabei traf er unglücklich einen Zuschauer, der ihn dann wegen Körperverletzung anzeigte. „Beim Konflikttraining kam dann heraus, dass der Trainer erhebliche familiäre Probleme hatte und arg unter Druck stand“, so Kleinlein.

Das Projekt im hessischen Amateurfußball durch den Einsatz von Mediatoren und Konflikttrainern wurde vor 18 Jahren gegründet und ist mittlerweile in die Regelarbeit des hessischen Fußballverbandes übergegangen. Infos: www.fairplay-hessen.de.

Amateurspieler ahmen respektloses Verhalten der Profis nach

„Uns war es damals wichtig, dass die Spieler nicht nur bestraft werden, sondern die Möglichkeit bekommen, etwas zu lernen“, so Kleinlein. An die Vereine hat er vor allem die Botschaft, dass ihre Spieler mehr Respekt aufbringen sollten. Egal ob gegenüber Mitspielern, Gegnern oder Schiedsrichtern. Als Prävention läuft im hessischen Amateur-Fußball derzeit eine Maßnahme, wonach jeder Verein bis 2018 drei Spieler zu einer Konfliktschulung geschickt haben muss. Einen Vorwurf machen die beiden auch Spielern in der Bundesliga, die sich respektlos verhalten.

„Die Profis sollten Vorbilder sein. Stattdessen wird sich theatralisch fallen gelassen und Trainer sowie Spieler attackieren die Schiedsrichter“, sagt Kleinlein. Schlatter pflichtet bei: „Wenn in der Sportschau am Samstag eine Aktion passiert ist, dann kann man davon ausgehen, dass das dann am Sonntag in den unteren Ligen Nachahmer findet.“

Übrigens: Der Fall der beiden prügelnden Mannschaften nahm letztlich doch kein gutes Ende. Kurz vor dem Rückspiel erklärte ein Team, nicht anzutreten. „Die Spieler hatten sich über die Entscheidung ihres Vorstands hinweggesetzt. Damit hatten sie natürlich ihren Strafenrabatt verwirkt“, sagt Hans Jürgen Kleinlein.

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