Jetzt gilt keine Ausrede mehr

SV Darmstadt 98 im Check vor dem Spiel gegen Mainz 05

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So wollen die Fans Aytac Sulu sehen: Mit Übersicht und zweikampfstark. Unser Foto zeigt ihn beim 7:0-Testspielsieg gegen Viktoria Aschaffenburg am vergangenen Samstag.

Darmstadt - Beim SV Darmstadt 98 ruhen viele Hoffnungen auf Aytac Sulu. Der Kapitän hat wohl keine Beschwerden mehr und dürfte in Normalform die Lilien verstärken. Ob es aber für einen Punkt in Mainz reicht, hängt auch davon ab, ob andere Spieler sich weiter entwickeln. Von Jens Dörr

Auswärts holte der SV Darmstadt 98 in der Vorsaison den Großteil der Punkte zum Klassenerhalt. In dieser Saison gelangen bei drei Auftritten in der Fremde bisher weder Tor noch Zähler. In der Partie beim FSV Mainz 05 soll dies am heutigen Sonntag (15.30 Uhr) anders werden. Nach der Länderspiel-Pause mit nur fünf Abstellungen zu den Nationalteams und fast keinen Verletzten haben sich die Lilien eingespielt. Ausreden wegen fehlender Leistungsträger oder fehlender Automatismen ob der vielen Neuzugänge gelten ab jetzt nicht mehr.

Der EXTRA TIPP hat die Mannschaftsteile und ihre Verfassung vor dem Mainz-Spiel unter die Lupe genommen.

Tor: Michael Esser war bisher jener Neuzugang, der am ehesten zu überzeugen wusste. Im Spiel gegen Bremen musste er vor zwei Wochen mit einer Schulterverletzung vom Feld, die die Entscheidung über den heutigen Einsatz erst kurzfristig ermöglicht. Sollte Esser fehlen, würde ihn Daniel Heuer Fernandes vertreten, der gerade bei Flanken und beim Herauslaufen Defizite gegenüber Esser hat. Auf der Linie und in fußballerischer Hinsicht ist auch Heuer Fernandes erstligatauglich. Der Ukrainer Ihor Berezovskyi als Nummer drei wirkte bei seinem Einsatz am vergangenen Wochenende im Testspiel beim Bayernligisten Viktoria Aschaffenburg (7:0) hingegen ziemlich wild und unsicher. Fazit: Zwischen den Pfosten hat der SV 98 derzeit die geringsten Sorgen.

Abwehr stabiler, dank Sulu

Abwehr: Dass Kapitän Aytac Sulu wieder mitwirken kann und nach seinem ganz offensichtlich nicht fit bestrittenen Spiel gegen Bremen die punktspielfreien zwei Wochen durchtrainierte, ist in der Innenverteidigung mehr als die halbe Miete. An Sulus Seite könnte Alexander Milosevic weiter zur Stammkraft reifen, da der in der Vorbereitung überzeugende Benjamin Gorka unter Trainer Norbert Meier wie schon unter Dirk Schuster keine Chance erhält. Immanuel Höhn konnte bisher noch nicht beweisen, dass er die Lilien verstärkt. Außen ist man links mit Fabian Holland und Leon Guwara bestenfalls solide besetzt, rechts nur dann konkurrenzfähig, wenn Florian Jungwirth oder Sandro Sirigu aufläuft. Die Darbietungen des ukrainischen Nationalspielers Artem Fedetskyy hatten mit deutschem Erstliga-Niveau nur wenig zu tun. Fazit: In der Vorsaison stand man hinten besser, dürfte sich nun aber vor allem dank Sulus Rückkehr stabilisieren.

Marcel Heller läuft seiner Form hinterher

Mittelfeld: Einen Spielmacher hat der SV 98 wie in der Vorsaison nicht zu bieten. Zentral übernimmt diese Rolle am ehesten noch Jerôme Gondorf, der gerade bei Ecken und Freistoßflanken sowie Distanzschüssen zulegen muss. Die Nebenleute Peter Niemeyer und zuletzt auch Florian Jungwirth gehören eher der Kategorie „kopfballstarke Zerstörer“ an. Victor Obinna ist ein Zugang, der das Spiel gern an sich reißen würde, der nach vier Spielen Sperre zu Saisonbeginn aber noch keine Pflichtspiel-Minuten von Meier erhalten hat. Auf den Außenbahnen läuft Marcel Heller der Form der Vorsaison hinterher, dafür kommt der neue Slowene Roman Bezjak (spielte am Dienstagabend 90 Minuten gegen England durch) so langsam ins Rollen. Die Zugänge Änis Ben-Hatira und Denys Oliinyk haben noch ganz viel Luft nach oben, ebenso Laszlo Kleinheisler. Jan Rosenthal – aufgrund seiner erneuten Verletzung – und der formschwache Mario Vrancic hinken aktuell hinterher. Fazit: Das kreative Potenzial der Lilien hat sich bisher nur auf dem Papier vergrößert. Spielerisch sind gegenüber der Schuster-Ära noch keine Fortschritte zu sehen.

Es fehlt ein echter Knipser

Angriff: Antonio-Mirko Colak machte mit seinen ersten Einsätzen Hoffnung, den Weggang von Sandro Wagner zumindest annähernd kompensieren zu können. Sven Schipplock zeigte in den Tests zwar seinen Torriecher, blieb in der Liga aber noch blass. Dominik Stroh-Engel scheint weiter nur die Statistenrolle zugedacht. Fazit: Vorn muss sich ein neuer Knipser erst noch herauskristallisieren. Der Stürmer ist im Darmstädter 4-2-3-1-System wegen seltener und dann oft ungenauer Zuspiele häufig der ärmste Tropf.

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