Rio 2016

Exoten bei Olympia: Mönche und tanzende Gewichtheber

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Bei Olympia 2016 starten auch einige Exoten. 

Rio de Janeiro - Sie haben keine Chance, werden von den Fans aber trotzdem gefeiert: Für die Exoten gilt bei den Olympischen Spielen noch das Motto "Dabei sein ist alles".

Usain Bolt oder Michael Phelps jagen in Rio noch mehr Medaillen, noch mehr Rekorden hinterher. Für die so genannten Exoten geht es bei den Olympischen Spielen, die am Freitag in Rio eröffnet werden, dagegen nicht um Ruhm und Geld. Und vielleicht werden sie von den Fans deshalb so gefeiert. Für die Erben des legendären Langsam-Schwimmers Eric "The Eel" Moussambani gilt noch das olympische Motto: Dabei sein ist alles.

"Das ist mein Traum, der wahr wird", sagt etwa die syrische Schwimmerin Yusra Mardini, die Teil des ersten Flüchtlingsteams der Olympia-Geschichte ist. Mardinis Bestzeit auf ihrer Paradestrecke über 200 m Freistil ist weit von der Weltspitze entfernt, doch sie hat die Flucht über das Mittelmeer überlebt. Nur das zählt. Und natürlich ihr Start in Rio.

Oft sind es die Geschichten der "kleinen" Athleten, die bei den Fans die großen Gefühle wecken. Unvergessen ist der Auftritt von Moussambani aus Äquatorial-Guinea 2000 in Sydney: Nur mit größter Mühe schaffte er es über 100 m Freistil ins Ziel. Und auch in Rio werden Athleten, die keine Chance auf Medaillen haben, wieder Geschichte schreiben.

Mönch Zenkoji Daikanjin startet im Kanu-Slalom

Dipa Karmakar ist als erste indische Turnerin überhaupt nach Rio gekommen, der Judoka Ahmed Goumar aus Niger träumt davon, nach 44 Jahren endlich wieder eine Medaille für sein Land zu gewinnen und der japanische Mönch Kazuki Yazawa aus dem Tempel Zenkoji Daikanjin strebt im Kanu-Slalom nach einem Stück Glückseligkeit: "Ich hoffe, dass ich auf der großen Bühne der Olympischen Spiele meine beste Leistung abrufen kann und mit einem guten Gefühl nach Japan zurückkehre."

Der Gewichtheber David Katoatau vom Atoll Kiribati begeistert seine Anhänger nicht nur mit seinem Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch mit seinen lustigen Tänzchen auf der Heber-Bühne. Und Kirgistans Präsident Almasbek Atambajew rief seinem 19-köpfigen Team bei der Abreise zu: "Macht es mit Mannschaftsgeist. Macht es wie das kleine Island bei der Fußball-EM."

Besondere Aufmerksamkeit wird wohl auch Ibtihaj Muhammad erlangen. Die Fechterin wird als erste praktizierende Muslima aus den USA bei Olympischen Spielen starten. "Es ist ein schwieriges politisches Umfeld. Ich denke, dass Muslime derzeit generell unter Beobachtung stehen, aber ich hoffe, dass ich das Bild ändern kann, das die Leute von einer Muslima haben", sagt die 30-Jährige, die mit dem Säbel-Team zu den Medaillenkandidatinnen gehört.

Syrische Leichtathleten trainierten unter Lebensgefahr

In ihrer Heimat Damaskus konnten sich die Leichtathleten Ghofrane Mohammad und Majed Addin Ghazal nur unter Lebensgefahr auf Rio vorbereiten. In Syrien herrscht immer noch Krieg, oft stand auch ihr Tishrin-Stadion unter Beschuss. "Viele Athleten wurden verwundet, einige sind sogar gestorben", sagt Hürdenläuferin Ghofrane Mohammad: "Trotzdem kommen wir immer wieder. Wir werden weiter trainieren und der Welt zeigen, dass Syrien noch existiert."

Und manchmal wird für vermeintlich krasse Außenseiter doch der ganz große Traum wahr. Als Bub schmiss Julius Yego im Läuferland Kenia beim Viehhüten Holzstöcke durch die Luft - er wurde Speerwerfer, seine Freunde schüttelten nur mit dem Kopf. Bei der WM 2015 in Peking gewann Yego Gold.

SID

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