Keine Medaille

Nächste deutsche Pleite: Müller und Fischer gehen im Diskus-Finale unter

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Julia Fischer wurde nur Neunte.

Rio de Janeiro - Nadine Müller stand rat- und fassungslos im Ring, auf der Tribüne feuerte Robert Harting vergeblich Freundin Julia Fischer an: Die deutschen Diskuswerferinnen haben bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro eine krachende Pleite kassiert und die Medaille klar verpasst.

Beim Sieg der kroatischen Topfavoritin Sandra Perkovic (69,21) war die WM-Dritte Müller (Halle/Saale) auf Platz sechs mit 63,13 m noch Beste des deutschen Trios. Fischer (Berlin) als Neunte (62,67) und Craft als Elfte (59,85) erreichten nicht mal den Endkampf der besten acht Finalistinnen.

"Die nötigen Zentimeter waren nicht im Körper", sagte Fischer, die vom Hexenschuss-Missgeschick ihres Freundes vor dem Aus in der Qualifikation noch mitgenommen war, in der ARD: "Die letzten Tage waren ziemlich schwer für mich, wenn es den Menschen, die ich liebe, schlecht geht."

Herren top - Frauen flop

Nur drei Tage nach dem rauschenden Erfolg der Diskus-Männer mit Gold für Christoph Harting und Bronze für Daniel Jasinski sorgten die Werferinnen damit für die nächste satte Enttäuschung für das deutsche Leichtathletik-Team in Rio. Seit 1996 hat keine Deutsche eine Diskus-Medaille geholt. Damals holte Ilke Wyludda in Atlanta Gold. Vor vier Jahren in London hatte Müller als Vierte Bronze um 44 Zentimeter verpasst.

Silber in Rio ging an die Französin Melina Robert-Michon (66,73), Bronze sicherte sich Weltmeisterin Denia Caballero (Kuba/65,34). Müller fehlten am Ende mehr als zwei Meter zu einer Medaille. Dabei hatte das deutsche Trio Fischer, Craft, Müller bei der EM im Juli in Amsterdam mit Platz zwei bis vier hinter Perkovic noch eine ganz starke Generalprobe für Olympia abgegeben. Am Dienstagmorgen wollte dann aber rein gar nichts funktionieren.

Von Beginn an lief im Finale nichts bei den drei deutschen Werferinnen zusammen. Müller, die 2016 bereits 66,84 m geworfen hatte, startete zwar mit halbwegs soliden 63,13 m in den Wettkampf, verlor danach aber völlig den Faden und machte ihre verkorksten Versuche ungültig - Erfreuliches hätte eine Weitenmessung ohnehin nicht ergeben.

Petkovic mit nur einem gültigen Versuch - aber der reicht

Fischer, die sich in dieser Saison auf glänzende 68,49 m verbessert hatte, steigerte sich nach zwei ganz schlechten Versuchen immerhin im dritten Versuch um zwei Meter, 40 Zentimeter fehlten ihr aber, um noch drei weitere Versuche zu erhalten.

"Drei Chancen hatten wir, eine Medaille kommt auf jeden Fall heraus", hatte Robert Harting nach seinem Aus in der Diskus-Qualifikation gesagt. Nach Gold für Bruder Christoph blieb es auch bei einer.

Craft war derweil völlig von der Rolle: ungültig, dann 58,39, dann 59,85 - einer der schwächsten Wettkämpfe überhaupt der talentierten Mannheimerin.

Anders die Kroatin Perkovic. Das Muskelpaket aus Zagreb, 2011 auch schon einmal wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen worden, nagelte ihre ersten beiden Versuche mit Erzgewalt ins Netz, um dann den dritten humorlos und ohne ein Anzeichen von Nervosität an die 70-Meter-Marke zu setzen. Die 69,21 m blieben ihr einziger gültiger Versuch - er reichte, um als erst zweite Diskuswerferin nach DDR-Athletin Evelin Schlaak (1976/1980) ihren Olympiasieg zu wiederholen.

SID

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