Nervenschlacht verloren

THW Kiel verpasst wieder das Champions-League-Finale

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Der THW Kiel scheiterte im Halbfinale an MKB Veszprem.

Kiel - Am Ende nutzte aller Einsatz nichts: Der THW Kiel hat wieder das Finale der Champions League verpasst und muss gegen Paris wieder das Spiel um Platz drei bestreiten. Im Endspiel treffen Vezsprem und Kielce aufeinander.

Dominik Klein saß auf der Bank und weinte bitterlich, dann ging er allein in die Kurve der Fans und applaudierte den Anhängern: Nach seinem letzten Final4 für den THW Kiel war der ehemalige Weltmeister einfach nur traurig. Mit 28:31 (25:25, 15:12) nach Verlängerung hatte der Linksaußen am Samstag mit dem deutschen Handball-Meister das Halbfinale beim Endrunden-Turnier um die Champions League gegen MVM Veszprem verloren. „Das war das letzte Mal für diesen Verein. Ich hätte den Fans gern noch einmal eine Trophäe präsentiert. Das ist eine sehr große Enttäuschung“, sagte der 32-Jährige, der nach zehn Jahren in Kiel zur neuen Saison zu HBC Nantes wechselt.

Über 70 Minuten hatten die Kieler eine Nervenschlacht geboten - und wie im Vorjahr gegen Veszprem den Kürzeren gezogen. Dabei war der Coup nah: In der 59. Minute führte Kiel mit 25:23. „In der normalen Spielzeit haben wir fast gewonnen. Am Ende haben wir nicht die richtigen Entscheidungen getroffen und Veszprem in die Verlängerung eingeladen“, meinte Trainer Alfred Gislason. Damit wird der THW Kiel erstmals seit 2003 eine Saison ohne einen Titel beenden. „Ohne Titel ist bitter, aber keine Überraschung“, erklärte er.

Statt an diesem Sonntag im Finale (18.00 Uhr) gegen KS Vive Kielce um den vierten Champions-League-Sieg zu spielen, trifft das Team von Trainer Alfred Gislason um 15.15 Uhr auf Paris St. Germain. Im ersten Halbfinale hatte Polens Meister Kielce sensationell das Pariser Starensemble mit 28:26 (16:16) ausgeschaltet und war erstmals ins Finale eingezogen. „Das ist gerade alles noch unwirklich. Wir haben mit Leidenschaft gespielt und Einsatz ohne Ende“, meinte der deutsche Nationalspieler Tobias Reichmann in Diensten der Polen.

Die Kieler legten einen furiosen Start hin. Binnen vier Minuten hatte sich der deutsche Meister einen 3:1-Vorsprung erspielt. Doch schon nach zehn Minuten war der Vorteil dahin: Kiel kassierte den Ausgleich zum 5:5 und geriet anschließend mit 5:6 (15.) ins Hintertreffen. Fortan lief der Bundesligist einem Rückstand hinterher.

Dann aber nahm Trainer Alfred Gislson beim 8:9 (21.) eine Auszeit, ordnete seinen Angriff neu und hatte damit Erfolg. Mit der zurückgewonnenen Durchschlagskraft durch Europameister Christian Dissinger, der nach überwundener Oberschenkelblessur sein Comeback gab, wendete der deutsche Rekordmeister beim 11:9 (23.) das Spiel.

Im 14. Vergleich zwischen Kiel und Veszprem arbeitete der THW Kiel entschlossen daran, seinen siebten Sieg zu feiern. Highlight der ersten Halbzeit war ein Tor per Kempa-Trick durch Spielmacher Domagoj Duvnjak, der ein Zuspiel von Marko Vujin in den Sechs-Meter-Kreis im Sprung aufnahm und den Ball zum 15:12-Pausenstand ins Tor wuchtete.

Nach der Pause fand Kiel dann zunächst überhaupt nicht wieder ins Spiel. Fünf Gegentreffer in Serie hatten einen 15:17-Rückstand (38.) zur Folge. Vor allem Veszprems Torhüter Roland Mikler, der den glücklosen Mirko Alilovic ablöste, brachte die Kieler Angreifer zur Verzweiflung. Erst Patrick Wiencek löste mit zwei Treffern die Blockade und Kiel glich beim 19:19 (47.) wieder aus. Trotz 25:23-Führung (59.) musste Kiel in die Verlängerung. Dort verließen den Meister dann die Kräfte.

Der kommende Gegner Paris hatte auch mehr erwartet. „Ich bin sauer ohne Ende“, schimpfte der Pariser Igor Vori, der mit Hamburg die Trophäe schon gewonnen hatte. Seine Mannschaft habe das Lehrgeld eines Final4-Neulings bezahlt. „Das ist eine Schule für uns. Mannschaften, die zum ersten Mal dabei sind, gewinnen nie“, behauptete der Kroate. Er war indirekt auch an einer Premiere beteiligt. In der 59. Minute wendeten die Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig den neu eingeführten Videobeweis bei strittigen Szenen an und zeigten Vori für eine Tätlichkeit Rot.

dpa

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