Startruppe gegen Billigteam: Das ungleiche Gruppen-Finale

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Portugals Starspieler Cristiano Ronaldo ist der Topverdiener bei der EM. Foto: Miguel A. Lopes

Beim Spiel Ungarn gegen Portugal geht es am Mittwoch besonders für Ronaldo und Co. um alles. Beide können noch Gruppensieger werden, vor allem die Portugiesen aber auch noch ausscheiden. Eigentlich eine kaum vorstellbare Konstellation, wenn man beide Teams vergleicht.

Lyon (dpa) - Einen Titel wird Cristiano Ronaldo aus Frankreich in jedem Fall mit nach Hause nehmen. Ganz egal, ob seine Portugiesen am Mittwoch bei der Fußball-EM ausscheiden sollten oder nicht.

Das Magazin "Forbes" hat den 31-Jährigen während des Turniers zum bestbezahlten Sportler der Welt gekürt, rund 78 Millionen Euro soll der Stürmerstar von Real Madrid pro Jahr an Gehältern, Prämien und Werbeeinnahmen verdienen. Würden alle 23 Spieler des nächsten Gegners Ungarn ihre Jahreseinkommen zusammenlegen, kämen sie wohl nicht einmal auf ein Viertel dieser Summe.

Ungarn gegen Portugal - das ist am Mittwochabend (18.00 Uhr) ein sehr ungleiches Endspiel um den ersten Platz oder zumindest das Weiterkommen in der spannenden Gruppe F. Ungarn führt die Tabelle mit vier Punkten an und qualifizierte sich am Dienstag durch die Niederlage Nordirlands gegen Deutschland sogar schon vorzeitig fürs Achtelfinale. "Wir sind natürlich überglücklich. Das hätte vorher ja niemand für möglich gehalten", sagte Ungarns deutscher Co-Trainer Andreas Möller am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. "Alles was jetzt kommt, ist Zugabe."

Das Weiterkommen der Ungarn ist deshalb so besonders, weil die Spieler des deutschen Trainergespanns Bernd Storck und Andreas Möller den mit Abstand niedrigsten Marktwert aller 24 EM-Teilnehmer haben. Balázs Dzsudzsák etwa, ihr international mit Abstand profiliertester Mann, wechselte vor einem Jahr für bescheidene 1,6 Millionen Euro von Dynamo Moskau zu Bursaspor in die Türkei.

Portugal steht unter Zugzwang. Nur ein Sieg würde den Einzug ins Achtelfinale garantieren. Bei einem Remis müsste gerechnet werden, ob man zu den vier besten Dritten gehört. Bei einer Niederlage wäre das Turnier wie bei der WM 2014 nach der Vorrunde vorbei. Trotzdem sind die Spieler der "Seleção" immer noch überall begehrt.

So zahlt der FC Bayern München in diesem Sommer eine Ablösesumme von mindestens 35 Millionen Euro, um sich die Dienste von Renato Sanches zu sichern. Dabei sitzt der 18-Jährige bei dieser Euro nur auf der Bank. Die Plätze im Mittelfeld sind von William Carvalho und Andre Gomes besetzt, letzterer ist nun allerdings angeschlagen. Für die beiden bieten Manchester United und Juventus Turin dem Vernehmen nach je 40 Millionen Euro. Verteidiger Raphael Guerrero war im Vergleich dazu schon ein Schnäppchen. Für ihn überweist Borussia Dortmund nur rund 12 Millionen Euro an den FC Lorient.

Auch die Portugiesen selbst wissen um ihre Qualität, wenngleich Trainer Fernando Santos noch am Dienstag um einen Einsatz der beiden angeschlagenen Profis Raphael Guerreiro und Gomes bangen musste. "Ich kann nicht sagen, ob sie spielen können oder nicht. Es kann in beide Richtungen gehen", berichtete der Coach.

Sein Team steht nach den beiden Unentschieden gegen Island (1:1) und Österreich (0:0) massiv unter Druck, die Profis gehen damit aber recht selbstsicher um. "Wir glauben immer noch an unser Potenzial", sagte Joao Moutinho, 2013 ebenfalls für rund 25 Millionen Euro zum AS Monaco gewechselt. "Wir müssen gegen Ungarn 100 Prozent, ach was 200 Prozent geben. Dann bin ich mir sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen und weiterkommen werden."

Für die meisten Ungarn ist dieses Niveau Neuland. Zwar stehen auch elf ihrer Spieler bei ausländischen Vereinen unter Vertrag. Die heißen aber nicht Real Madrid oder Bayern München, sondern Wisla Krakau (Polen), Slovan Bratislava (Slowakei) oder Al-Gharafa (Katar). Die in Deutschland spielenden Peter Gulacsi (RB Leipzig), Laszlo Kleinheisler (Werder Bremen), Adam Szalai (Hannover 96) und Zoltan Stieber (1. FC Nürnberg) sind in ihren Clubs überwiegend Ersatz.

Coach Storck deutete an, angesichts des geschafften Achtelfinal-Einzugs auf einige gelbvorbelastete Spieler zu verzichten. "Wir sind auf diese Situation vorbereitet", kündigte Storck bereits am Dienstagnachmittag für den Fall eines Weiterkommens ohne eigenes Zutun am Abend an. Weitere Details nannte er nicht.

Daten zum Spiel

Marktwerte der 24 EM-Teams

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