Löw stellt auf "jüngere Mannschaft" um - 2018 neuer Fokus

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Bastian Schweinsteiger führt die deutsche Mannschaft gegen Finnland letztmals als Kapitän aufs Feld. Foto: Federico Gambarini

Der Schweinsteiger-Abschied steht zum Auftakt der Länderspielsaison im Mittelpunkt. Gegen Finnland will Bundestrainer Löw aber auch erste Weichen stellen. Nur vier Tage später beginnt der Ernst der WM-Quali. Der scheidende Kapitän hat für die jungen Nachfolger einen Rat.

Düsseldorf (dpa) - Die große Länderspielbühne gehört ein letztes Mal Weltmeister Bastian Schweinsteiger. Der erste Test auf dem Weg zur angepeilten nächsten WM-Krönung 2018 in Russland wird ganz vom emotionalen Abschied des Kapitäns bestimmt.

Nur bei der Aufstellung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die Partie am Mittwochabend (20.45 Uhr) gegen Finnland lässt Joachim Löw seinen Anführer dann doch nicht mitreden. "Ich habe keinen Wunsch. Es sind ja alles gute Fußballer. Ich bin beruhigt, dass gute Fußballer auf dem Platz stehen werden", sagte Schweinsteiger vor seinem Bye-Bye-Spiel im Borussia-Park von Mönchengladbach.

Löw überlässt Schweinsteiger den Rahmen für einen nach 121 Länderspielen, sieben großen Turnieren und dem Triumph von Rio als ultimativem Höhepunkt angemessenen Abschied. Doch die Partie gegen das seit 17 Jahren nicht bezwungene Soumi-Team soll auch ein erster Indikator für den neuen Zyklus sein. "Zwei zentrale Themen" hat Löw als Grundsätze schon formuliert. Die "in manchen Spielen nicht optimale Chancenverwertung" soll verbessert werden. Und: "Wir müssen lernen, nach Ballgewinn wieder schneller umzuschalten." Vertikales Spiel statt Ballbesitz-Dogma lautet Löws erste Anweisung vor dem wichtigen Qualifikationsstart am Sonntag in Oslo gegen Norwegen.

"Sie werden eine jüngere Mannschaft sehen, mit Spielern, die Perspektive haben", versprach Löw den Fans für die mit bislang nur rund 20 000 abgesetzten Tickets längst nicht ausverkaufte Partie gegen die kantigen Finnen. Innenverteidiger Niklas Süle von 1899 Hoffenheim soll zum 83. Debütanten unter Löw werden. Auch seine Silber-Kollegen von Rio de Janeiro, Julian Brandt und Max Meyer, bekamen vom DFB-Chefcoach Einsatzzeit versprochen.

Das Trio ist der erster Schwung von mehreren Nachwuchskräften, die Löw perspektivisch für den nächsten Angriff auf den WM-Thron 2018 tauglich machen will. Joshua Kimmich, selbst bei der EM gerade erst zum Nationalspieler emporgestiegen, brachte die Sichtweise der neuen Generation zum Ausdruck: "Wenn man einmal in der Nationalmannschaft ist, möchte man da nicht mehr weg. Ich konnte jetzt schon mal reinschnuppern und werde alles dafür geben dabeizubleiben."

Von Schweinsteiger bekamen die Nachwuchskräfte einen Rat mit auf den Weg. "Die jungen Spieler sind schon weiter in meinen Augen. Nicht nur fußballerisch, da hat sich was getan", zog der 32-Jährige einen Vergleich zu seiner Anfangszeit im DFB-Trikot vor zwölf Jahren. Aber: "Ich hoffe, dass man nicht die Grundgesetze des Fußballs aus den Augen verliert", mahnte Schweinsteiger. Um seine Tugenden werde der deutsche Fußball im Ausland nach wie vor beneidet.

Gegen Finnland muss Löw die Einsatzzeiten seiner Stamm- wie Perspektivkräfte genau abwägen. Gerade weil das Norwegen-Spiel vier Tage später so viel wichtiger ist. "Das Spiel gegen Finnland wird natürlich auch dazu dienen, uns auf den Start in die WM-Qualifikation gegen Norwegen einzustimmen", sagte Löw.

Vor zwei Jahren lief das DFB-Team nach einer frühen Niederlage gegen Polen in der EM-Qualifikation der Konkurrenz lange hinterher. Das soll diesmal unbedingt vermieden werden. "Es geht darum, die Belastung ein bisschen zu teilen, weil die Spieler nach nur einem Wettkampftag in der Bundesliga und überwiegend weniger Zeit in der Vorbereitung noch nicht an ihrem Limit spielen und trainieren können", sagte der Bundestrainer.

Zum Beispiel der in Dortmund noch nicht eingesetzte Mario Götze soll ans Wettkampfniveau herangeführt werden. Nach dem Ausfall von Mario Gomez sind die Optionen mit dem Neu-Leverkusener und DFB-Rückkehrer Kevin Volland als einzige weitere nominelle Offensivspitze begrenzt.

Wie lange Schweinsteiger mitwirken kann, hängt auch von der Fitness ab. Laufstark sollten seine Mitspieler sein, meinte der 32-Jährige. Nach der Ausbootung durch Trainer José Mourinho bei Manchester United hat er in dieser Saison noch nicht gespielt. "Ich weiß noch nicht, wie lange die Luft hält. Ich hoffe, dass es ein paar Minuten sind", sagte Schweinsteiger bei seiner letzten DFB-Pressekonferenz.

Wem er bei der Auswechslung seine Kapitänsbinde geben soll, konnte Schweinsteiger noch nicht sagen. Löw habe es ihm noch nicht verraten: "Ich weiß noch nicht, an wen ich die Binde weiterreichen darf."

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