Aufstellung

EM 2016: Darum spielt Boateng von Anfang an trotz drohender Sperre

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Jerome Boateng (mitte) beim Aufwärmen in Lille vor dem Achtelfinale Deutschland gegen die Slowakei. 

München - Jerome Boateng spielt im Achtelfinale gegen die Slowakei von Anfang an für Deutschland. Obwohl im eine Gelb-Sperre droht. Darum setzt Bundestrainer Löw ihn ein.

Update vom 26. Juni 2016: Jerome Boateng hat gleich zu Beginn des Achtelfinales gegen die Slowakei bewiesen, warum ihn Bundestrainer Jogi Löw zurecht in die Startelf holte. In der 8. Minute besorgte der Innenverteidiger die frühe Führung für Deutschland. Toni Kroos schoss die erste Ecke für Deutschland von der linken Fahne nahe an den slowakischen Kasten. Im Sechzehner ging Boateng aus gut 19 Metern volles Risiko und packte eine Direktabnahme mit dem rechten Spann aus.

Seit dem letzten Gruppenspiel von Deutschland bei der EM 2016 diskutierte Fußball-Deutschland über die Wade von Abwehrchef Jerome Boateng. In der Partie gegen Nordirland war Boateng vorsichtshalber ausgewechselt worden, als er über Schmerzen in der Wade klagte. In den folgenden Tagen musste er bei Trainingseinheiten aussetzen. Fans der DFB-Elf bangten, ob er zum Achtelfinale gegen die Slowakei wieder fit wird. Immerhin sorgte der Abwehrchef mit seinen Aktionen dafür, dass Deutschland bei der EM 2016 bislang kein Tor kassierte. Man denke nur an seine spektakuläre Aktion im Auftaktspiel gegen die Ukraine, als  Am Samstag dann die erfreuliche Nachricht: Boateng kann im Achtelfinale gegen die Slowakei für Deutschland spielen.

"Er hatte keine Probleme, er hat alles absolviert. Er wird morgen spielen", sagte Bundestrainer Joachim Löw der ARD-Sportschau. Boateng hatte zuvor im Teamquartier in Evian ohne Probleme am Abschlusstraining teilgenommen. Und das ohne Probleme. "Nach dem Abschlusstraining bekam er keine Beschwerden", betonte Löw.

Womit sich die Frage aufdrängte: Lässt Löw Boateng von Anfang an gegen die Slowakei spielen? Oder stellt er gegen die Slowakei zunächst Shkodran Mustafi auf? Immerhin gelten die Slowaken als klarer Außenseiter gegen Deutschland. Und im Viertelfinale droht Spanien oder Italien. Gegen diese deutlich härteren Gegner wird der Bundestrainer die vollen 90 Minuten einen hunderprozentig fitten Jerome Boateng brauchen.

Aber auch diese Frage ist mittlerweile beantwortet: In der Aufstellung von Deutschland wird Jerome Boateng von Anfang an spielen.  

Dass Löw ihn wieder zu Beginn einsetzt, erklärt sich fast von selbst: Jerome Boateng ist quasi unersetzbar. "Boateng ist inzwischen so gut und so wichtig geworden, dass er die Statik einer ganzen Mannschaft beeinflussen kann", meint die "Süddeutsche Zeitung". Denn: "Spielt Boateng, kann sich Löw zum Beispiel locker wieder diesen jungen Joshua Kimmich leisten, der auf der rechten Abwehrseite ruhig seine frechen Sachen machen kann, wenn er von einem wie Boateng beschützt wird."

Tatsächlich verhinderte allein die Wade von Jerome Boateng das EM-Debüt von Großtalent Lery Sané. "Wir hätten schon gegen Nordirland noch einmal offensiv auswechseln können, wenn die Boateng-Verletzung nicht dazwischen gekommen wäre", sagte Marcus Sorg, der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.

Gelb-Gefahr: Jerome Boateng droht Sperre im Viertelfinale

Nicht nur die Wade von Boateng beeinflusst dessen Einsatz im Viertelfinale. Der Abwehrchef ist mit zwei anderen Weltmeistern im Achtelfinale gelb-gefährdet: Jérôme Boateng, Sami Khedira und Mesut Özil sind gegen die Slowakei von einer Sperre in einem möglichen Viertelfinale gegen Spanien oder Italien bedroht. Der Worst Case wäre natürlich eine Sperre aller drei Leistungsträger. Ob der Bundestrainer sie deswegen erst einmal auf der Bank lässt? Löw schloss Personaländerungen für das Spiel gegen die Slowakei nicht aus. Am Samstag erklärte er zum Thema Aufstellung: "Die Slowakei ist ein anderer Gegner als Nordirland, sie ist um einiges stärker. Sie werden uns fordern. Ende Mai haben wir einen Weckruf bekommen und 3:1 verloren. Die Slowaken werden defensiv gut arbeiten, die Räume eng machen. Wir werden nicht viele Chancen bekommen. Wir haben 20 Spieler für eine Aufgabe dabei. Ich überlege schon, ob es den ein oder anderen Wechsel gibt."

Allerdings vermeldete die Nachrichtenagentur dpa bereits am Sonntagmorgen."Die DFB-Elf dürfte aber mit der Formation aus dem letzten Gruppenspiel gegen Nordirland (1:0) auflaufen." Für Jogi Löw gebe es durch den möglichen Einsatz von Jerome Boateng "eigentlich keine Veranlassung, dass Siegerteam des Nordirland-Spiels zu verändern".

Auch die "Rheinische Post" hält es für folgerichtig, dass der Bundestrainer Boateng im Achtelfinale gegen die Slowakei von Anfang an bringt: "Ein Risiko würde er sicher nicht eingehen, denn er ist überzeugt davon, dass die DFB-Auswahl ihre Heimflug-Tickets nicht so bald buchen muss, und dass er Boateng in den nächsten Runden noch braucht. Trotzdem ist eine eingespielte Innenverteidigung mit dem Block Mats Hummels/Boateng auch gegen die konterstarken Slowaken eine wichtige Waffe. Die beiden künftigen Kollegen bei den Bayern kontrollierten die Ansätze von nordirischen Gegenangriffen ohne erkennbare Mühe. Die Slowaken sind allerdings fußballerisch ein anderes Kaliber."

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