Vor dem Viertelfinale

Deutschland gegen Italien: DFB-Team ohne Schiss

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Manuel Neuer (links) und Toni Kroos am Mittwoch im Training. Angst vor den Italienern hat im DFB-Team keiner.

München - Kann Deutschland im Viertelfinale der EM 2016 zum ersten Mal Italien bei einem Turnier besiegen. Angst vor den Italienern hat im DFB-Team keiner.

Vor Viertelfinale Deutschland gegen Italien: Mats Hummels im Schwimmbad

Mats Hummels hat das am freien Tag, den Bundestrainer Joachim Löw zwischen Achtel- und Viertelfinale Deutschland gegen Italien gewährt hat, bewiesen. Der Innenverteidiger ging in Evian ins Schwimmbad und sprang – vom Turm. „Es war mein erster Sprung vom Zehner“, sagt er – und bekennt: „Ich hatte Schiss ohne Ende.“ Als er auf der Plattform stand, kam der Gedanke auf, den Rückzug anzutreten: „Aber rückwärts die Treppe runter, das wäre noch furchteinflößender gewesen.“ Daher: Überwindung. Jetzt ist Mats Hummels ein Zehner-Springer.

Und hofft, dass er auch am nächsten ersten Mal beteiligt sein wird: Noch nie hat eine deutsche Nationalmannschaft eine italienische im Rahmen eines großen Turniers (WM, EM) geschlagen. Am Samstag (21 Uhr, live im Free-TV und Live-Stream) im Viertelfinale in Bordeaux besteht die Möglichkeit, eine Art nationales Trauma zu erledigen. Auch wenn Hummels selbst gar nicht diese Italien-Leid-Geschichte in sich trägt. Richtig: Er war zwar 2012 beim 1:2 im EM-Halbfinale von Warschau dabei, aber das war auch die einzige Erfahrung. Was hat er mit irgendwelchen Geschichten aus den Siebzigern und Achtzigern zu schaffen?

Vor Viertelfinale Deutschland gegen Italien: Keine Beklemmung bei Mats Hummels

Er bezieht sich auf seine persönlichen Positiv-Erlebnisse: „2009 bei der U21-EM haben wir Italien im Halbfinale besiegt, und in den vergangenen Freundschaftsspielen gab es zweimal ein 1:1 und zuletzt unseren 4:1-Sieg.“ Eine psychologische Beklemmung ist bei Hummels vor dem Viertelfinale Deutschland gegen Italien nicht festzustellen, und wahrscheinlich bedarf es einer solchen Gelassenheit, „um die Geschichte umzuschreiben“.

Dieser Begriff stammt von Andy Köpke, heute Bundestorwarttrainer. Vor 20 Jahren wurde er selbst Europameister, es war bis zum WM-Gewinn 2014 der für lange Zeit letzte Titel für die Nationalmannschaft. Helden sind die 96er immer noch – heute jährt es sich zum 20. Mal, dass Oliver Bierhoff ins Endspiel von Wembley kam und den Tschechen zwei Tore einschenkte. Das zweite war das erste „Golden Goal“ der Geschichte, mittlerweile wurde dieser Modus wieder abgeschafft.

Sie ziehen Bierhoff, der jetzt der Manager der Nationalmannschaft ist, damit auf, dass sie von ihm ständig diese Story zu hören bekommen (Jogi Löw: „Er erzählt nichts anderes mehr“). „Am Jubiläumstag werde ich den Olli wohl gar nicht sehen, weil er dann wieder durchs Hotel schwebt“, sagt Köpke. Stimmt natürlich nicht, Bierhoff macht kein Aufhebens um seine Sternstunde von 1996. Aber unter Fußballern, wenn sie erst mal Alte Herren geworden sind, wird halt so geredet.

Vor Viertelfinale Deutschland gegen Italien: Europameister Köpke und Bierhoff drücken Daumen

Vor allem Bierhoff und Köpke als Mitverantwortliche haben ein urpersönliches Interesse daran, dass sie endlich nicht mehr die letzten Europameister im DFB sind, sie wollen die Nachfolgegeneration endlich oben sehen. „Das würde uns glücklich machen“, sagt Köpke.

Vielleicht wird Mario Gomez in ferner Zeit die Geschichte berichten können, wie er mit Deutschland Europameister wurde. Dazu muss er aber helfen, erst einmal Italien aus dem Weg zu räumen. Gelänge das mit ihm in tragender Rolle, wäre es delikat, weil er in Florenz nicht erfolgreich war und zu Besiktas Istanbul verliehen wurde. „Sportlich ist es nicht gelaufen, dennoch mag ich Italien und hege keinen Groll“, sagt der Stürmer. Er will, „dass aus einer für mich guten EM eine ganz tolle für die Mannschaft wird“. Als Europameister. Es wäre, nachdem er 2004 fehlte, sein erster Titel.

Köpke verrät: Jetzt werden Elfer geprobt

Deutschland wappnet sich für alle Eventualitäten. „Wir werden uns optimal auf ein mögliches Elfmeterschießen vorbereiten“, so Torwarttrainer Andreas Köpke. „Wir haben seit 2006 kein Elfmeterschießen mehr gehabt. Und ich wäre froh, wenn wir auch diesmal keines benötigen. Aber wir werden alle Informationen über Schützen und Torhüter sammeln.“ Im Spiel bleiben Thomas Müller und Mesut Özil die möglichen Schützen sein, obwohl Letzterer im Achtelfinale gegen die Slowakei (3:0) einen Strafstoß vergab. „Özil hat vorher keinen verschossen. Und Müller ist auch ein guter Schütze. Die beiden werden es unter sich ausmachen“, sagte Köpke. Nach dem 3:5 im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei mit dem legendären Fehlschuss von Uli Hoeneß hat Deutschland alle weiteren fünf Shootouts bei großen Turnieren gewonnen. Bei den letzten vier hat kein einziger deutscher Schütze verschossen und die Torhüter immer mindestens einen Schuss gehalten.

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